Strategie
ESRS 2 SBM-3 – Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell
Die eigene Belegschaft umfasst sowohl die eigenen Mitarbeiter (Beschäftigte), d.h. Personen, die in einem direkten Arbeitsverhältnis mit einem thyssenkrupp Unternehmen stehen, als auch Fremdarbeitskräfte. Im Rahmen der Darstellung der Konzepte, Maßnahmen und Ziele geben wir jeweils an, inwieweit dort Fremdarbeitskräfte berücksichtigt sind.
Das allgemeine Vorgehen bei der Durchführung der Wesentlichkeitsanalyse sowie zum Zusammenspiel wesentlicher Auswirkungen, Risiken und Chancen mit der Strategie und dem Geschäftsmodell ist in Kapitel ESRS 2 beschrieben. Um in dieser Analyse die Sichtweise der Stakeholdergruppe „eigene Belegschaft“ möglichst umfassend abzubilden, wurden verschiedene Bereiche der Konzernfunktion Human Resources einbezogen. Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen für thyssenkrupp bezogen auf die eigene Belegschaft, die wir in der doppelten Wesentlichkeitsanalyse identifiziert haben. Sie werden in diesem Textabschnitt zusätzlich erläutert.
1) A = Auswirkung; (-) = negativ; (+) = positiv; R = Risiko; C = Chance
2) WSK = Wertschöpfungskette; V = Vorgelagert; EG = Eigener Geschäftsbereich; N = Nachgelagert
3) ZH = Zeithorizont; K = Kurz-; M = Mittel-; L = Langfrist
Hinsichtlich aller in diesem Kapitel dargestellten Richtlinien und Maßnahmen berücksichtigen wir die jeweiligen lokalen Gesetze, die für die einzelnen thyssenkrupp Unternehmen gelten.
Wesentliche negative Auswirkungen
Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse wurden vier potenzielle sowie eine tatsächliche negative Auswirkung identifiziert. Unser systematisches und kontinuierliches Risikomanagement hat das Ziel, negative Auswirkungen auf die Belegschaft durch entsprechende Maßnahmen soweit möglich zu minimieren.
Eine potenzielle negative Auswirkung im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen betrifft die Sicherheit der Beschäftigung. Auch im vergangenen Geschäftsjahr haben wir unsere Portfoliomaßnahmen und strukturellen Optimierungen vorangetrieben. Daraus ergeben sich in einigen Geschäften Restrukturierungsmaßnahmen; Mitarbeiter in diesen Bereichen können von Personalanpassungsmaßnahmen betroffen sein.
In Bezug auf die Arbeitnehmerrechte gibt es in einigen wenigen Ländern eine potenzielle negative Auswirkung im Bereich Vereinigungsfreiheit und Kollektivvereinbarung, da diese Länder das entsprechende Recht teilweise limitieren oder gar nicht vorsehen. In diesen Fällen kann der soziale Dialog für Mitarbeiter in den betroffenen Ländern eingeschränkt sein.
Eine tatsächliche negative Auswirkung wurde im Bereich der Arbeitssicherheit identifiziert. Insbesondere für die Belegschaft in der Produktion kann langfristige körperliche Tätigkeit gesundheitlichen Einschränkungen oder arbeitsbedingten Erkrankungen zur Folge haben. Die Abweichung von unseren Vorgaben zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz kann zudem zu Unfällen führen. Die Aufarbeitung unseres Unfallgeschehens zeigt jedoch, dass diese keine systemischen Ursachen haben, sondern dass es sich vielmehr um Einzelfälle handelt.
Eine weitere potenziell negative Auswirkung ergibt sich für Mitarbeiter aus der Missachtung des Verbots von Diskriminierung sowie mangelnder Chancengleichheit. Dies kann zu Stress und damit zu einem mangelndem Wohlbefinden der Betroffenen führen. Manche Mitarbeiter sind aufgrund der Dynamik am Arbeitsplatz einem größeren Risiko ausgesetzt, ungleich behandelt oder diskriminiert zu werden. Um die negativen Auswirkung zu vermeiden, werden alle gemeldeten Verdachtsfälle systematisch untersucht.
Wesentliche positive Auswirkungen
Die positiven Auswirkungen ergeben sich insbesondere für die eigenen Mitarbeiter, die in einem direkten Arbeitsverhältnis mit einem thyssenkrupp Unternehmen stehen. Wir nutzen die Chancen, die sich uns bieten, um ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen.
Eine tatsächliche positive Auswirkung haben wir im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse im Bereich Aus- und Weiterbildung identifiziert. thyssenkrupp bekennt sich seit jeher zu seiner Verantwortung für die Ausbildung. Im Geschäftsjahr 2024 / 2025 haben wir in Deutschland in über 60 Ausbildungsberufen ausgebildet. Die Ausbildungsquote in Deutschland lag bei 5,1 % und damit über dem eigenen Bedarf. Auch die kontinuierliche Weiterbildung unserer Beschäftigten ist uns wichtig. Ergänzend zu den Weiterbildungsangeboten in den Geschäften bietet die thyssenkrupp Academy unseren Beschäftigten ein breites Portfolio an internen Weiterbildungsmöglichkeiten. Mitarbeiter profitieren von der Verbesserung ihrer Qualifikationen auch, indem ihre Beschäftigungsfähigkeit gestärkt wird.
thyssenkrupp ist bestrebt, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Beschäftigte mit unterschiedlichen Eigenschaften und Bedürfnissen frei und mit ihrem vollen Potenzial entfalten können. Wir fördern die Chancengleichheit mit einer Vielzahl von Formaten und Maßnahmen – von der genderneutralen Ansprache in Stellenanzeigen im Recruiting über flexible Arbeits(zeit)modelle bis hin zur Förderung von Mitarbeiternetzwerken. Bereits 2015 hat sich thyssenkrupp in einer gemeinsamen Erklärung mit der Arbeitnehmervertretung ausdrücklich zur Anerkennung und Förderung der Potenziale von Mitarbeitern mit Behinderung sowie zur Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz – unter Berücksichtigung der lokalen Gesetzgebung – bekannt. Diese Maßnahmen wirken sich auf vielfache Weise positiv auf die Beschäftigten aus: Sie fördern eine Arbeitskultur, die auf gegenseitigem Respekt basiert, und stärken die Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation sowie das Zugehörigkeitsgefühl.
Auch unser Angebot präventiver Gesundheitsmaßnahmen wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter aus. Bei unserem Angebot steht nicht nur die Förderung der körperlichen Gesundheit im Fokus, es umfasst auch Maßnahmen zur Stärkung der mentalen Gesundheit.
Risiken und Chancen durch Abhängigkeiten im Zusammenhang mit der eigenen Belegschaft
In einigen Ländern, in denen thyssenkrupp tätig ist, besteht ein potentiell erhöhtes Risiko, dass Menschenrechte, insbesondere das Verbot von Menschenhandel, Kinder- und Zwangsarbeit, nicht in vollem Umfang eingehalten werden, beispielsweise aufgrund unzureichender staatlicher Kontrollmechanismen oder abweichender gesetzlicher Regelungen. Die mögliche Missachtung der Menschenrechte stellt insbesondere für Personen ein Risiko dar, die in diesen Ländern beschäftigt sind. Unsere regelmäßige Risikobewertung hat jedoch kein konkretes Risiko für die thyssenkrupp Unternehmen und seine Belegschaft ergeben.
Eine unzureichende Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten birgt im Rahmen des zunehmenden weltweiten Fachkräftemangels das Risiko, dass zu wenig qualifiziertes Fachpersonal verfügbar ist, um Aufträge effektiv und fristgerecht abzuarbeiten sowie kontinuierliche Verbesserungen und Innovationen sicherzustellen. Gezielte Schulungsangebote und die kontinuierliche Förderung der beruflichen Entwicklung der Beschäftigen bieten jedoch die Chance, durch verbesserte fachliche Kompetenz die Produktivität zu steigern sowie bestehende Mitarbeiter an thyssenkrupp zu binden bzw. ein attraktiver Arbeitgeber für potenzielle Bewerber zu sein.