SBM-3 – Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell

Als weltweit tätiger Industrie- und Technologiekonzern verfügt thyssenkrupp über ein globales Lieferantennetzwerk, das zahlreiche Länder und Branchen umfasst. Aufgrund der Komplexität und globalen Reichweite unserer Wertschöpfungsketten lassen sich potenzielle indirekte Auswirkungen auf Arbeitskräfte in vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten im Hinblick auf Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie Umweltbelange nicht vollständig ausschließen. In unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse haben wir insbesondere tatsächliche und potenzielle Auswirkungen in Bezug auf menschenrechtliche und arbeitsbezogene Belange wie Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel, unfaire Arbeitsbedingungen, fehlende Vereinigungsfreiheit, unangemessene Entlohnung, unzureichende Arbeitszeitregelungen sowie mangelnden Arbeitsschutz und Diskriminierung einbezogen.

1) A = Auswirkung; (-) = negativ; (+) = positiv; R = Risiko; C = Chance

2) WSK = Wertschöpfungskette; V = Vorgelagert; EG = Eigener Geschäftsbereich; N = Nachgelagert

3) ZH = Zeithorizont; K = Kurz-; M = Mittel-; L = Langfristig

Besonders betroffen von negativen Auswirkungen sind demnach Beschäftigte in der vorgelagerten Lieferkette, und zwar sowohl in der Rohstoffgewinnung als auch in der Herstellung und Fertigung von Produkten. Hierbei kann mangelnder Arbeitsschutz gesundheits- oder gar lebensgefährdend sein. Unangemessene Entlohnung und alle Formen der Diskriminierung können zu physischen und psychischen Beeinträchtigungen sowie einer verminderten Lebensqualität der Betroffenen führen. Insbesondere in Ländern, in denen der Schutz der Menschenrechte unzureichend ist, können Einschränkungen der Vereinigungs- und Meinungsfreiheit deutliche Hinweise auf Unterdrückung sein. Zu den Personengruppen, die von Auswirkungen im Zusammenhang mit Kinderarbeit und Zwangsarbeit in hohem Maße betroffen sein können, zählen insbesondere junge Beschäftigte sowie geringqualifizierte Arbeitskräfte, die kaum Bildungschancen haben und daher besonders häufig ausgebeutet werden. In der nachgelagerten Wertschöpfungskette sind Menschen, die im Transport- und Logistiksektor arbeiten, mit menschen- und arbeitsrechtlichen Verstößen konfrontiert. Aufgrund komplexer und schwer kontrollierbarer Strukturen mit zahlreichen Subunternehmen und wechselnden Vertragsbeziehungen ist in diesem Sektor die Transparenz eingeschränkt. Dies erschwert die Überwachung der Arbeitsbedingungen und kann die Einhaltung grundlegender Standards wie Arbeitszeitregelungen, faire Entlohnung oder Sicherheit am Arbeitsplatz gefährden.

In unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse haben wir tatsächliche und potenzielle negative und positive Auswirkungen auf Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette ausschließlich in Bezug auf die vorgelagerte Lieferkette festgestellt.

Wesentliche negative Auswirkungen

Die identifizierten tatsächlichen negativen Auswirkungen ergeben sich aus den Verstößen, die über die verschiedenen Kanäle unseres Beschwerdeverfahrens eingegangenen sind und bestätigt wurden. Sie betreffen die Themen unangemessene Entlohnung und Arbeitszeiten, mangelnden Arbeitsschutz und Unfallprävention sowie die Verweigerung der Vereinigungsfreiheit. Unangemessene Entlohnung kann beispielsweise Armut, Hungersnot oder fehlende Bildungschancen für Kinder zur Folge haben. Missachtete Arbeitszeitregelungen wie nicht eingehaltene Pausen oder übermäßige Überstunden können zu physischer und psychischer Überbelastung und somit zu gesundheitsgefährdender Erschöpfung führen. Mangelnder Arbeitsschutz und mangelnde Arbeitssicherheit können gesundheitsschädigend oder gar lebensgefährdend sein und sich in der Folge auch auf die psychische Verfassung der betroffenen Person auswirken. Die Verweigerung von Vereinigungsfreiheit oder Kollektivverhandlungen kann dazu führen, dass Arbeitskräfte nur eingeschränkte Möglichkeiten haben, sich gegen ungerechte Behandlung zu wehren. Die ermittelten tatsächlichen negativen Auswirkungen stellen Einzelfälle bei einzelnen Lieferanten dar.

Potenzielle negative Auswirkungen haben wir für die Themen Kinderarbeit und Zwangsarbeit sowie für alle Formen der Diskriminierung und der damit verbundenen Gewalt identifiziert. In Bezug auf Arbeitszeitmodelle stellt die mangelnde Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben eine potenziell negative Auswirkung dar, außerdem weitere arbeitsbezogene Rechte wie der fehlende Zugang zu einem Beschwerdeverfahren. Der Mangel einer sicheren Beschäftigung kann bei Betroffenen zu Unsicherheit sowie zu gesellschaftlichen Kosten durch unplanbare Arbeitslosigkeit führen. Kinderarbeit und Zwangsarbeit sind je nach Land und Industrie unterschiedlich weit verbreitet und/oder systemisch; das gilt auch für Diskriminierung aufgrund der ethnischen oder Religionszugehörigkeit. Auch Sicherheitsrisiken beim Abbau von Eisenerz sind in den Minen vereinzelter Länder systemisch; die erhöhte Wahrscheinlichkeit potenzieller Auswirkungen ergibt sich hier aus unseren Geschäftsaktivitäten in China, Indien und Brasilien. Die weiteren identifizierten potenziellen negativen Auswirkungen werden als nicht systemisch bewertet, sondern ergeben sich aus Einzelfällen bei Lieferanten und stehen in keinem Zusammenhang mit spezifischen Geschäftsbeziehungen von thyssenkrupp. thyssenkrupp erkennt an, dass bestimmte Gruppen von Beschäftigten in der Lieferkette in Bezug auf Menschen- und Arbeitnehmerrechte in besonderem Maße gefährdet sein können. Das gilt zum Beispiel für Minderheiten, für die in bestimmten Regionen aufgrund ihrer ethnischen oder Religionszugehörigkeit eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Zwangsarbeit besteht. Beschäftigte, die beim Abbau bestimmter Rohstoffe tätig sind, können erhöhten Arbeitssicherheitsrisiken ausgesetzt sein. Darüber hinaus unterliegen Arbeitsmigranten, indigene Völker, Frauen und Gewerkschaftsmitglieder teilweise erhöhten Risiken für Diskriminierung.

Wesentliche positive Auswirkungen

Eine potenziell positive Auswirkung auf alle Beschäftigten in der Lieferkette stellt die Kompetenzentwicklung zur Erhöhung des Bildungs- und Qualifikationsniveaus dar. Diese können zur Steigerung des Bildungsniveaus und der Qualifikationen beitragen und dadurch langfristig die Beschäftigungschancen und den Lebensstandard in den betreffenden Regionen verbessern.

Risiken im Zusammenhang mit Arbeitskräften in der Wertschöpfungskette

Wir haben auch Risiken für thyssenkrupp im Zusammenhang mit Arbeitskräften in der Lieferkette identifiziert. Dies betrifft Risiken rechtlicher Art und Reputationsrisiken aufgrund von Kinderarbeit oder Zwangsarbeit. Mangel an sicherer Beschäftigung für die Beschäftigten der Lieferkette kann zudem die Produktivität verringern und zu rechtlichen Klagen sowie Reputationsschäden für das Unternehmen führen. Chancen für thyssenkrupp im Zusammenhang mit Arbeitskräften in der Lieferkette wurden nicht identifiziert.

ESRS S2 Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette