ESRS 2 SBM-3 – Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell

Als internationaler Industrie- und Technologiekonzern ist thyssenkrupp in verschiedenen Sektoren tätig und auf eine Vielzahl globaler Wertschöpfungsketten angewiesen. Wegen unseres breit angelegten Geschäftsmodells und unserer weltweiten Aktivitäten sind Gemeinschaften, einschließlich indigener Bevölkerungsgruppen, sowohl in rohstoffgewinnenden und -verarbeitenden Regionen der vorgelagerten als auch entlang der nachgelagerten Wertschöpfung potenziell von unseren Geschäftsaktivitäten betroffen.

Im Detail verstehen wir unter betroffenen Gemeinschaften solche Gemeinschaften und Bevölkerungsgruppen, die direkt oder indirekt von geschäftlichen Aktivitäten, Projekten und der Geschäftsentwicklung des Unternehmens betroffen sind oder sein könnten. Dazu gehören Anwohnende, lokale Gemeinschaften und indigene Völker, deren Lebensqualität, Umwelt und soziale Struktur durch die wirtschaftlichen Aktivitäten und Entscheidungen von thyssenkrupp berührt werden oder werden könnten.

Im Rahmen unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse, der unternehmensweiten Risikoanalyse als auch der Risikoanalyse gemäß LkSG (siehe dazu auch Abschnitt „S3-1“ und das Kapitel „ESRS S2 Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette“) prüfen wir, ob und in welchem Ausmaß unsere Geschäftstätigkeiten Auswirkungen auf diese Gemeinschaften haben können. Dabei berücksichtigen wir systemisch relevante betroffene Gruppen. Entsprechende Erkenntnisse fließen in die Ausgestaltung unserer unternehmensweiten Maßnahmen ein, mit denen wir unsere menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten erfüllen.

1) A = Auswirkung; (-) = negativ; (+) = positiv; R = Risiko; C = Chance

2) WSK = Wertschöpfungskette; V = Vorgelagert; EG = Eigener Geschäftsbereich; N = Nachgelagert

3) ZH = Zeithorizont; K = Kurz-; M = Mittel-; L = Langfristig

In unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse haben wir wesentliche potenzielle negative und positive Auswirkungen auf betroffene Gemeinschaften fast ausschließlich in der vorgelagerten Wertschöpfungskette festgestellt. Risiken und Chancen wurden nicht identifiziert. Dies ist auf die Art unserer Geschäftstätigkeiten zurückzuführen: thyssenkrupp unterhält in der Regel keine direkten Beziehungen zu den betroffenen Gemeinschaften in den Lieferketten und ist operativ nicht unmittelbar von deren Mitwirkung abhängig. Gleichwohl sind wir uns bewusst, dass sich unsere Geschäftsaktivitäten mittelbar insbesondere auf Anwohnende, lokale Gemeinschaften, indigene Bevölkerungsgruppen sowie weitere Stakeholder in den Regionen unserer Lieferanten auswirken können.

Wesentliche negative Auswirkungen

Zu den identifizierten potenziellen negativen Auswirkungen auf betroffene Gemeinschaften gemäß unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse gehören in unserer vorgelagerten Wertschöpfungskette unter anderem Umweltbelastungen wie Boden-, Luft- oder Wasserverschmutzung sowie die Entnahme natürlicher Ressourcen, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, einem verminderten Nahrungsmittelangebot, der Einschränkung des Lebensraums oder Landnutzungskonflikten für betroffene Gemeinschaften führen können. Die Nichteinhaltung von Arbeitssicherheitsstandards kann Auswirkungen haben, die über den unmittelbaren betrieblichen Kontext hinausgehen, etwa dann, wenn Arbeitsunfälle das Leben, die Gesundheit und das Eigentum angrenzender oder in der Nähe liegender Gemeinschaften beeinträchtigen.

Diese als potenziell wesentlich negativ identifizierten Auswirkungen können insgesamt zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität betroffener Gemeinschaften führen. Wegen der möglichen Reichweite dieser Auswirkungen werden sie als „systemisch weitverbreitet“ eingestuft. Diese Einstufung berücksichtigt branchenübliche Risiken in ressourcenintensiven Sektoren, externe Studien und Leitlinien sowie der geografischen Verteilung und Komplexität unserer globalen Lieferkette. Diese Einschätzung fließt in die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ein, die überprüft und aktualisiert wird, wenn neue Informationen aus Audits, Beschwerden oder Stakeholderdialogen vorliegen.

Wesentliche positive Auswirkungen

Im Rahmen unseres Engagements für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Lieferkette fordern wir unsere Lieferanten dazu auf, zur Stärkung lokaler Strukturen beizutragen – etwa durch die Bereitstellung grundlegender Infrastrukturen. Diese Maßnahme kann potenziell positive Auswirkungen auf die Lebensbedingungen vor Ort entfalten.

Grundlage für unsere Erkenntnisse zu potenziell betroffenen Gemeinschaften

Unser Verständnis der Charakteristika potenziell betroffener Gemeinschaften sowie ihrer spezifischen Kontexte basiert in erster Linie auf dem Austausch mit relevanten Stakeholdern, der Teilnahme an Brancheninitiativen, der Auswertung einschlägiger Leitfäden sowie Erkenntnissen aus unserer Risikoanalyse gemäß LkSG und unserem konzernweiten Beschwerdemechanismus.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir nur eingeschränkt in der Lage, bestimmte Merkmale oder Kontexte formell zu beschreiben, die auf besonders gefährdete Gruppen, wie etwa indigene Völker, hinweisen. Basierend auf internationalen Leitlinien gelten Gruppen als besonders gefährdet, die strukturell benachteiligt sind oder überproportional von menschenrechtlichen oder ökologischen Risiken betroffen sein können. Wir arbeiten jedoch daran, unsere Kenntnisse systematisch zu erweitern, um potenzielle negative Auswirkungen auf betroffene Gemeinschaften frühzeitig zu erkennen. Weitere Details finden sich im Abschnitt „S3-4“.