Kennzahlen und Ziele
E5-3 – Ziele im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
Im Bereich der Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft hat thyssenkrupp bislang keine konzernweiten einheitlichen Ziele im Sinne des ESRS E5 definiert. Grund hierfür ist die Heterogenität der Geschäftsbereiche und Standorte, die mit unterschiedlichen ressourcenbezogenen Anforderungen und Maßnahmen einhergeht. Statt allgemeiner Zielvorgaben verfolgt thyssenkrupp daher eine dezentrale Steuerung mittels standortbezogener Umwelt- und Energiemanagementsysteme sowie über die Umsetzung menschenrechts- und umweltbezogener Sorgfaltspflichten.
Die Wirksamkeit des Umwelt- und Energiemanagements wird unter anderem über Audit-Ergebnisse, externe Zertifizierungen (z.B. nach ISO 14001 und ISO 50001) sowie die jährliche konzernweite Umweltdatenerhebung nachverfolgt.
Die Wirksamkeit der Umsetzung menschenrechts- und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten wird über etablierte Risiko- und Kontrollprozesse verfolgt. Dazu zählen etwa die Bewertung identifizierter Risiken und Ereignisse auf Standort- und Lieferkettenebene sowie die Nachverfolgung eingeleiteter Gegenmaßnahmen.
E5-4 – Ressourcenzuflüsse
thyssenkrupp hat wesentliche Ressourcenzuflüsse für die eigene Geschäftstätigkeit identifiziert. Diese Analyse umfasst Produkte und Materialien sowie Sachanlagen. Außerdem wurden kritische Rohstoffe und seltene Erden betrachtet, die für die eigene Geschäftstätigkeit sowie entlang der Wertschöpfungsketten potenziell relevant sein können.
Die Analyse der Produkt- und Materialzuflüsse erfolgte durch eine gewichtsbezogene Auswertung von Einkaufsdaten. Im Vordergrund stehen metallische Rohstoffe wie Erze und Koks, ergänzt durch Kohle sowie Grundmetalle, verarbeitete Metallprodukte sowie mineralische Produkte. Diese Materialien und Produkte sind zentral für metallurgische Prozesse, Fertigungsprozesse, industriellen Anlagenbau und den Betrieb technischer Ausrüstungen. Darüber hinaus werden in diesen Bereichen auch weitere Produkte wie technische Kunststoffe, chemische Hilfsstoffe, elektrische Komponenten und Beschichtungsmittel eingesetzt, die ebenfalls zu den relevanten Ressourcenzuflüssen zählen.
Im Rahmen der Analyse wurde festgestellt, dass weder biologische Materialien noch Verpackungen wesentliche Ressourcenzuflüsse für thyssenkrupp darstellen. Beide Kategorien machen im Vergleich zu den eingesetzten technischen Materialien und Produkten einen vernachlässigbaren Gewichtsanteil aus und wurden daher bei der weiteren Bewertung nicht berücksichtigt.
Die Ermittlung wesentlicher Sachanlagen erfolgte durch Auswertung relevanter Bilanzkonten. Dabei wurden technische Anlagen, Betriebsgebäude, Anlagen im Bau und produktionsbezogene Ausstattung, die die physische Grundlage der industriellen Wertschöpfung bilden, als bedeutsam identifiziert.
Die Identifikation potenziell relevanter kritischer Rohstoffe und seltener Erden erfolgte auf Basis der in der Verordnung (EU) 2024 / 1252 und der ERECON-Liste enthaltenen Definitionen. Ihre potenzielle Relevanz für thyssenkrupp und die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette wurde durch die Auswertung von Fachquellen und Einschätzung interner Experten abgeleitet. Zu den potenziell relevanten Stoffen zählen Metalle für Legierungen und Hochleistungswerkstoffe (z. B. Aluminium, Chrom, Nickel, Titan), Rohstoffe für Energiespeicher und Batterien (z. B. Lithium, Kobalt, Graphit), chemische Grundstoffe (z. B. Phosphor, Bor, Fluorspat) sowie seltene Erden (z. B. Neodym, Dysprosium, Yttrium) für Magnetanwendungen, Sensorik und Elektronik. Diese Einordnung erfolgt unter dem Vorbehalt weiterer Analyse- und Verifizierungsschritte.
Zurzeit liegen für den Anteil sekundärer wiederverwendeter oder recycelter Komponenten, Zwischenprodukte und Materialien keine vollumfänglichen unternehmensspezifischen Primärdaten vor. Diese Informationen werden im Rahmen der Beschaffungsprozesse bislang nicht systematisch und konsistent erfasst. Um dennoch eine grobe Einordnung des Anteils zirkulärer Materialien am Gesamtressourcenzufluss zu ermöglichen, wird ein Schätzfaktor angewendet, der sich an einer Zirkularitätsmetrik orientiert. Diese fußt auf der globalen Stoffflussbilanz, in der die jährlichen Rohstoffzuflüsse (erneuerbare, nicht-erneuerbare und Sekundärrohstoffe) als Massenströme erfasst und bilanziert werden. Dabei wird angenommen, dass die eingebrachte Masse am Ende des Lebenszyklus als Output (Emissionen, Abfälle, Verluste oder recycelte Materialien) wieder austritt und nur der rückgeführte Anteil als zirkulär gilt, wohingegen die primären Zuflüsse unabhängig von ihrer Erneuerbarkeit als linear betrachtet werden. Produktlebensdauern, Nutzungsintensitäten sowie Lagerbestände werden nicht berücksichtigt, da es sich um eine jährliche Momentaufnahme handelt. Dieser indikative Faktor wird auf den erfassten Gesamtressourcenzufluss angewendet und spiegelt den Anteil wiederverwendeter sowie recycelter Materialien im Verhältnis zum Gesamtressourcenzufluss wider.
E5-5 – Ressourcenabflüsse
Im Rahmen dieser Angabepflicht legt thyssenkrupp Informationen zu seinen Ressourcenabflüssen offen, einschließlich Abfällen. Das Ziel dieser Offenlegung ist, Transparenz darüber zu schaffen, wie das Unternehmen durch die Gestaltung seiner Produkte und Materialien gemäß Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sowie durch Strategien zur Abfallvermeidung und -bewirtschaftung zur Ressourcenschonung beiträgt. Dabei werden sowohl die Kreislauffähigkeit und Haltbarkeit von Produkten und Materialien als auch die Mengen und Behandlungswege der anfallenden Abfälle dargestellt, ergänzt um die Zusammensetzung relevanter Abfallströme des Unternehmens.
Produkte und Materialien
Bei thyssenkrupp können Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sowohl im Produktdesign als auch in Produktionsprozessen zur Anwendung kommen, mit dem Ziel, durch Gestaltungsentscheidungen zur Ressourceneffizienz beizutragen – etwa durch Maßnahmen, die eine verlängerte Lebensdauer von Produkten sowie deren verbesserte Wiederverwendbarkeit und Reparaturfähigkeit ermöglichen, durch materialtechnische Optimierungen und die Rückführung von Materialien in technische und biologische Kreisläufe. In diesem Zusammenhang wurden für die Identifizierung der wesentlichen nach Prinzipien der Kreislaufwirtschaft gestalteten Produkte sowie Prozesse einheitliche Begriffsdefinitionen herangezogen, die sich an einschlägigen europäischen Rechtsakten und etablierten Referenzrahmen orientieren und den Bewertungsmaßstab für die nachfolgenden Beispiele bilden. Die konkrete Ermittlung erfolgte auf Basis fachlicher Einschätzungen von Experten aus den relevanten Segmenten und Geschäftseinheiten.
Haltbarkeit und Lebensdauerverlängerung
Im Segment Steel Europe soll die Oberflächenveredelung ZM EcoProtect® durch einen verbesserten Korrosionsschutz zur Verlängerung der Lebensdauer insbesondere von Außenhaut-Anwendungen in der Automobilindustrie beitragen. Darüber hinaus kommen hochfeste und verschleißbeständige Stähle zum Einsatz, die eine längere Nutzungsdauer von Endprodukten ermöglichen können. Das gilt auch für hochfeste nicht kornorientierte Elektrostähle, die die Effizienz und Lebensdauer von Elektromotoren durch reduzierte Verluste und erhöhte mechanische Belastbarkeit steigern können.
Bei Rothe Erde aus dem Segment Decarbon Technologies soll die Oberflächenhärtung der Verschleißfestigkeit und der Lebensdauerverlängerung von Großwälzlagern dienen. Eingesetzte induktive Härteverfahren sind darauf ausgerichtet, kritische Funktionsflächen wie Laufbahnen oder Verzahnungen gezielt zu verfestigen – je nach Anwendungsprofil etwa durch Laufbahnhärten oder Zahnhärten. Kugelstrahlen als mechanisches Verfahren zur Oberflächenverfestigung – das der Verbesserung der Ermüdungsfestigkeit dient – kann ergänzend zum Einsatz kommen. Das Vollflächenhärten sorgt dabei für eine gleichmäßige Härteverteilung und eignet sich besonders für hochbelastete Anwendungen wie Rotorlager in Windenergieanlagen. So soll die Widerstandsfähigkeit gegenüber Reibung und Materialermüdung gefördert werden.
Auch im Segment Automotive Technology sind Verfahren wie Kugelstrahlen und Induktionshärten darauf ausgerichtet, die Ermüdungsfestigkeit von Kurbelwellen und Federn zu verbessern. Zudem sollen endkonturnahes Schmieden sowie der Einsatz kombinierter Werkstoffe bei gefügten Nockenwellen – die aus Einzelkomponenten gefertigt und miteinander verbunden werden – eine materialeffiziente Konstruktion ermöglichen, die den Ressourcenbedarf reduziert.
Reparaturfähigkeit, Demontage, Wiederverwendung und Wiederaufarbeitung
Zur Verlängerung der Nutzungsdauer technischer Systeme können im Produkt- und Anlagendesign von thyssenkrupp Konzepte wie Modularität, Demontagefreundlichkeit und Reparaturfähigkeit zur Anwendung kommen sowie ergänzend Wiederaufarbeitungsleistungen angeboten werden.
Im Produkt- und Anlagendesign der Gesellschaften Uhde, Polysius und thyssenkrupp nucera des Segments Decarbon Technologies können diese Prinzipien durch modulare Anlagenkonzepte, standardisierte Komponenten und eine langfristige Ersatzteilverfügbarkeit konkret umgesetzt werden. Diese Systemarchitektur soll den gezielten Austausch sowie das Upgrade von Modulen im laufenden Betrieb ermöglichen bzw. deren einfache Demontage und Wiederverwendung. Ergänzend werden im Elektrolysegeschäft von thyssenkrupp nucera Ansätze zur Wiederaufbereitung einzelner Module verfolgt, um deren erneuten Einsatz in industriellen Anwendungen zu ermöglichen. Auch bei Rothe Erde können zur Lebensdauerverlängerung der Großwälzlager Instandsetzungsleistungen erbracht, Wälzkörper, Dichtungen und Käfige ausgetauscht sowie Laufbahnen und Verzahnungen nachbearbeitet werden, um diese Produkte erneut in den technischen Einsatz zu bringen.
Auch im Segment Marine Systems können modulare Designkonzepte die Reparaturfähigkeit von maritimen Plattformen – etwa von Fregatten und U-Booten – über den Produktlebenszyklus hinweg unterstützen, indem austauschbare Funktionseinheiten eine flexible Instandsetzung vorsehen. So kann beispielsweise der Austausch ganzer Missionsmodule oder technischer Subsysteme erfolgen, ohne die Gesamtplattform außer Betrieb nehmen zu müssen. Ergänzend dazu können gezielte Wartungsstrategien und Nachrüstkonzepte – etwa zur Modernisierung von Sensorik, Antriebstechnik oder Sicherheitssystemen – zur Verlängerung der Nutzungsdauer beitragen.
Rückführung in technische und biologische Kreisläufe
Zur Förderung geschlossener Materialkreisläufe verfolgt thyssenkrupp Ansätze zur Rückführung von Stoffströmen in technische und biologische Systeme.
Im technischen Bereich reduziert Steel Europe durch den Einsatz von hochwertigem Stahlschrott im Produkt bluemint® recycled die Abhängigkeit von Primärrohstoffen. Ergänzend bereitet die MillServices & Systems bei Materials Services Entschwefelungsschlacke aus der Stahlherstellung auf, die als Düngemittel oder Baumaterial einer Sekundärnutzung zugeführt werden kann. Zudem ist das FTR®-Verfahren von Uhde darauf ausgerichtet, PET-Kunststoff mit Rezyklatanteil herzustellen und zur Schließung von Kunststoffkreisläufen beitragen. Ein ergänzendes Beispiel ist das Verbundprojekt Carbon2Chem® bei dem eine Pilotanlage am Standort Duisburg von Steel Europe Hüttengase aus der Stahlproduktion nutzt, um diese in chemische Grundstoffe wie Methanol oder Ammoniak weiterverarbeiten zu können – mit dem Ziel, diese nicht zu emittieren, sondern als Rohstoff in industrielle Prozesse zurückzuführen.
Im Bereich biologischer Rückführung von Stoffen hat Uhde mit PLAneo® ein Verfahren entwickelt, das die Herstellung von Polymilchsäure (PLA) aus biobasierter Milchsäure erlaubt. Das entstehende Polymer ist industriell kompostierbar und lässt sich am Ende des Lebenszyklus in den biologischen Kreislauf zurückführen. Der Produktionsprozess integriert zudem die Fermentation und Reinigung von Milchsäure mit der PLA-Herstellung und erzeugt dabei Ammoniumsulfat als Nebenprodukt – das als Düngemittel verwertet werden kann. Ergänzend verfolgt Uhde im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts mit der Advanced-Biofuels-Technologie einen thermochemischen Ansatz, bei dem unter anderem Bioabfälle über Vergasung in Biokraftstoffe wie synthetisches Diesel oder nachhaltigen Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuels, SAF) sowie in biobasiertes Naphtha für chemische Produktionsprozesse umgewandelt werden können, um fossile Rohstoffe zu ersetzen und Stoffkreisläufe zu schließen.
Erwartete Haltbarkeit der Produkte im Vergleich zum Branchendurchschnitt
Für die Bestimmung der erwarteten Haltbarkeit ausgewählter Produktgruppen im Vergleich zum Branchendurchschnitt wurden interne Experteneinschätzungen herangezogen. Da für die analysierten Produktgruppen keine standardisierten Branchendurchschnittswerte in Bezug auf die erwartete Haltbarkeit identifiziert werden konnten, erfolgt die Darstellung auf Basis unternehmensinterner Referenzwerte. Diese ergeben sich aus produktspezifischen Haltbarkeitsindikatoren, validierten Prüfspezifikationen sowie Erfahrungswerten aus dem Produktlebenszyklus.
Im Folgenden erfolgt eine strukturierte Darstellung nach Geschäftsbereichen:
Automotive Technology
Für sicherheitsrelevante Lenksysteme in Fahrzeugen wurde die Haltbarkeitsbewertung anhand von Lastwechselzyklen vorgenommen, die typische Einsatzbedingungen wie Einparkvorgänge, Straßenerschütterungen und unterschiedliche Fahrprofile simulieren. Ziel ist die Beibehaltung der vollen Funktionsfähigkeit über die geprüfte Lebensdauer hinweg:
Mechanisch verstellbare Lenksäule (MVLS): 1 Mio Lastwechsel
Column EPS (Brushless): 0,5 Mio Lastwechsel
Rack EPS (REPS): 0,5 Mio Lastwechsel
Ergänzend ist zu beachten, dass Lebensdauertests im Segment Automotive Technology generell auf Basis individueller Kundenanforderungen erfolgen. Die Testspezifikationen und Beurteilungskriterien können hierbei je nach Auftraggeber in Umfang, Belastungsprofil und Zielgrößen variieren. Die genannten Referenzwerte stellen daher Orientierungsgrößen dar, die im Rahmen standardisierter Entwicklungsprozesse für die jeweilige Produktgruppe verwendet werden. Zudem konnten keine Branchendurchschnitte zur erwarteten Haltbarkeit in diesem Produktsegment identifiziert werden.
Decarbon Technologies
Für ausgewählte Produktgruppen der Konzerngesellschaften thyssenkrupp nucera, Polysius, Uhde und Rothe Erde des Segments Decarbon Technologies wurde die erwartete Haltbarkeit anhand produktspezifischer technischer Indikatoren bewertet.
Alkalische-Elektrolyseure (nucera): 7.300 Start-Stopp-Zyklen
Zementwerke (Polysius): 45 Jahre Entwurfslebensdauer der Gesamtanlage
Ammoniak-/Methanolanlagen (Uhde): 20 Jahre Entwurfslebensdauer der Hauptausrüstung
Für Großwälzlager (Rothe Erde) wurde die Haltbarkeitsbewertung anhand der Ermüdungslebensdauer der Laufbahnen nach ISO / TS 16281:2008 in Kombination mit den Wälzlagerlebensdauermodellen nach DIN / ISO 281 bewertet. Dafür wurden die im betrachteten Einsatzsystem auftretenden Belastungen sowie die entsprechenden Lastkollektive aus den typischen Betriebszuständen ermittelt. Unter Berücksichtigung von Drehzahlen, Lastwechselzahlen und der geplanten Systembetriebsdauer wurde die rechnerische nominelle Lebensdauer der Laufbahnen bestimmt. Diese Normen geben keine feste Nutzungsdauer vor, sondern liefern die Basis für den Vergleich mit der geforderten Auslegungslebensdauer des Gesamtsystems. Für Windenergieanwendungen beträgt diese Auslegungslebensdauer gewöhnlich 20 Jahre, wie in IEC 61400-1 festgelegt. Der tatsächlich anzusetzende Wert hängt jedoch von spezifischen OEM-Anforderungen ab.
Marine Systems
Für militärische Überwasserschiffe und Unterseeboote wurde die Entwurfslebensdauer als Indikator für die Bewertung der erwarteten Haltbarkeit herangezogen. Diese gibt die technisch geplante Nutzungsdauer bei sachgemäßer Wartung und Instandhaltung durch den Betreiber an und kann verwendet werden, da sie nach ingenieurtechnischen Standards festgelegt wird und die Dimensionierung zentraler Struktur- und Anlagenteile vorgibt.
U-Boote: Entwurfslebensdauer von 40 Jahren
Fregatten: Entwurfslebensdauer von 30 Jahren
Die tatsächliche Lebensdauer hängt von verschiedenen Faktoren wie regelmäßiger Wartung, Modernisierungen sowie den jeweils angewandten Betriebskonzepten ab und kann durch diese verlängert werden. Branchendurchschnittswerte zur erwarteten Haltbarkeit konnten für diese Produkte nicht identifiziert werden.
Abgrenzung weiterer Geschäftsbereiche
Für die Segmente Materials Services und Steel Europe wurde auf derartige Haltbarkeitsanalysen verzichtet. Materials Services vertreibt überwiegend Handelsware, bei der thyssenkrupp als Händler nur bedingt Einfluss auf die Haltbarkeit der Produkte nehmen kann. Eine systematische Haltbarkeitsbewertung wurde daher nicht umgesetzt. Bei Steel Europe handelt es sich beim Hauptprodukt um ein vor- bzw. zwischengefertigtes Industrieerzeugnis mit werkstofflicher Funktion, das in unterschiedlichste Folgeprodukte weiterverarbeitet wird. Die tatsächliche Haltbarkeit ist dabei maßgeblich von der jeweiligen Endanwendung abhängig – etwa im Fahrzeugbau, im Bauwesen oder in der Verpackungsindustrie – sodass eine einheitliche Angabe zur Produktlebensdauer nicht sachgerecht möglich ist.
Recyclingfähiger Materialanteil in Produkten
Zur Abschätzung des recyclingfähigen Materialanteils der im Berichtszeitraum in Verkehr gebrachten Produkte wendet thyssenkrupp ein modellgestütztes Verfahren an. Aufgrund fehlender Primärdaten zur tatsächlichen Wiederverwertung der in den Produkten enthaltenen Materialien am Ende des Lebenszyklus erfolgt die Ermittlung auf Grundlage der im Produktionsprozess eingesetzten Materialmengen.
Die eingesetzten Materialmengen wurden gewichtsbezogen nach Relevanz klassifiziert. Verpackungsmaterialien sowie Massenanteile unterhalb von definierten Relevanzschwellen wurden aus methodischen Gründen ausgeschlossen. Für die verbleibenden Materialgruppen wurden Recyclingfähigkeitsquoten angesetzt, die aus technischer Fachliteratur und Branchenstudien sowie öffentlich zugänglichen Recyclingstatistiken abgeleitet wurden. Diese geben an, welcher Anteil eines Materials unter heutigen technischen Bedingungen grundsätzlich als recyclingfähig gilt.
Auf dieser Grundlage wurde ein recyclingfähiger Materialanteil von rund 95 % berechnet. Dieser Wert reflektiert insbesondere die starke Ausrichtung des Produktportfolios von thyssenkrupp auf metallische Werkstoffe und Produkte, die ein hohes Wiederverwertungspotenzial aufweisen.
Die Berechnung stellt eine methodisch Schätzung dar. Die wesentlichen Unsicherheiten resultieren aus der Annahme, dass Ressourcenzuflüsse repräsentativ für die tatsächliche Produktzusammensetzung sind sowie aus der Generalisierung von Materialgruppen durch pauschal angesetzte Faktoren zur Recyclingfähigkeit.
Abfälle
Im Rahmen dieser Angabepflicht werden Informationen zu den im eigenen Geschäftsbetrieb anfallenden Abfallmengen offengelegt. Ziel ist es, ein Verständnis über das Abfallaufkommen, dessen Behandlung sowie die Zusammensetzung der Abfallströme zu vermitteln. Diese Offenlegung umfasst sowohl das Abfallaufkommen als auch eine Differenzierung nach gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen sowie nach Verwertungs- und Entsorgungsverfahren. Des Weiteren werden Angaben zu nicht recycelten Abfällen sowie zur Zusammensetzung relevanter Abfallströme gemacht.
Für die Ermittlung der Abfalldaten wurden standardisierte Definitionen angewendet, die sich an den Vorgaben der EU-Abfallrahmenrichtlinie (2008 / 98 /EG) und ergänzenden Rechtsakten orientieren. Erfasst werden drei Abfallkategorien: nicht-gefährliche Abfälle, gefährliche Abfälle und radioaktive Abfälle. Bei nicht-gefährlichen und gefährlichen Abfällen erfolgt zudem eine Differenzierung zwischen Verwertungs- und Entsorgungsverfahren. Mit Ausnahme der Vorbereitung zur Wiederverwendung erfolgt die Klassifizierung dieser Verfahren durch einschlägige R- und D-Codes, die im Anhang I und II der Abfallrahmenrichtlinie festgelegt sind. Radioaktive Abfälle werden nur als Gesamtmenge erhoben und nicht nach Verwertungs- oder Entsorgungsverfahren unterschieden; sie werden den nicht-recycelten Abfällen zugeordnet.
Im Berichtsjahr erfolgte die Datenerhebung je nach Prozess und Standort durch direkte Messung, Berechnung anhand betrieblicher Parameter, Modellierungen, Schätzungen sowie rechnungsbasierte Auswertungen. Sämtliche Abfalldaten beziehen sich auf Aktivitäten und Standorte, die unter finanzieller oder operativer Kontrolle von thyssenkrupp stehen.
Zusammensetzung der Abfälle
Die bei thyssenkrupp anfallenden Abfallströme variieren je nach Wirtschaftstätigkeit in ihrer Zusammensetzung. In der Stahlherstellung fallen vorrangig metallurgische Abfälle wie Schlacken, metallhaltige Stäube, Schlämme oder ölhaltige Rückstände aus der Prozesswasserbehandlung an. In der komponenten- bzw. anlagenbezogenen Fertigung entstehen vorrangig metallische Bearbeitungsrückstände wie Späne und Schleifmittel sowie Betriebsstoffe wie Kühlschmierstoffe und Öle. Ergänzend treten Verpackungsabfälle sowie vereinzelt Bau- und Inbetriebnahmerückstände wie Kabel, Farben und Isolierstoffe auf. In der System- und Großmontage, etwa im energie- und verfahrenstechnischen Anlagenbau oder in der maritimen Systemtechnik, fallen überdies Abfälle aus Instandhaltung, Reparatur und Nachrüstung an – darunter Metallreste, elektronische Komponenten und verschiedene Hilfsstoffe. Der Werkstoffhandel samt Materialbearbeitung trägt zur Abfallentstehung vorrangig durch Verpackungsmaterialien wie Holz und Kunststoffe, Lagerrückstände sowie produktionsbedingte Abfälle wie Verschnitt oder Sägespäne bei.
Im Abfall enthaltene Materialien:
Die relevanten Materialgruppen innerhalb der oben beschriebenen Abfallströme umfassen:
Metalle: Eisen, Stahl, Aluminium, Kupfer und sonstige Nichteisenmetalle
Nichtmetallische Mineralien: Schlacken, keramische Rückstände, Feuerfestmaterialien
Kunststoffe: Verpackungsmaterialien, Isolierungen, technische Kunststoffe
Ölhaltige Substanzen und Chemikalien: Altöle, Kühlschmierstoffe, Emulsionen, Lösungsmittel
Holz: insbesondere aus Verpackungen und Transportmitteln
Elektronische Komponenten: z. B. Sensorik und Leiterplatten
Zur Bestimmung der wesentlichen Abfallarten und der darin enthaltenen Materialien wurden interne Experten aus den Geschäftsbereichen befragt. Die Bewertung basiert auf einer Zuordnung der Abfallströme zu den relevanten Kapiteln des Europäischen Abfallverzeichnisses gemäß Entscheidung 2014 / 955 /EU. Diese Einschätzungen erfolgten indikativ, orientiert an operativer Erfahrung und verfügbaren stoffstrombezogenen Informationen aus den Tätigkeitsfeldern.
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