Management der Auswirkungen, Risiken und Chancen
In diesem Bereich
E1-2 – Konzepte im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel
Die im Rahmen dieser Angabepflicht dargestellten Konzepte betreffen wesentliche Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel – sowohl in Hinblick auf die Minderung von Treibhausgasemissionen als auch auf die Anpassung an klimabedingte Veränderungen.
Übergangsplan für den Klimaschutz
Der Übergangsplan für den Klimaschutz von thyssenkrupp zielt auf die Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis 2050 ab, durch Dekarbonisierung von Produktion, Produkten und Energie. Zu den zentralen Hebeln zählen der Aufbau einer wasserstofffähigen Stahlproduktion, die Entwicklung eines Produktportfolios für CO2-reduzierte Wertschöpfung sowie die Verbesserung der Energieeffizienz und der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien – auch durch Eigenerzeugung. Klimabezogene Übergangsrisiken wie die CO₂-Bepreisung oder Marktveränderungen werden adressiert. Die physische Anpassung an Auswirkungen des Klimawandels ist kein Primärfokus.
Basis für das Ziel, bis spätestens 2050 konzernweit Netto-Null-Emissionen zu erreichen, bilden wissenschaftsbasierte Mittel- und Langfristziele, die als Zielsystem von SBTi im Geschäftsjahr 2024 / 2025 als vereinbar mit dem 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens bewertet wurden.
Ein zentraler Hebel zur Zielerreichung ist die Dekarbonisierung der Stahlproduktion, insbesondere durch den Bau und Betrieb einer vollständig wasserstofffähigen DR-Anlage. In der Übergangsphase kann der Anlagenbetrieb mit Erdgas erfolgen, bevor eine Umstellung auf erneuerbaren Strom und Wasserstoff vorgenommen wird. In Ergänzung werden konzernweit Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Prozesseffizienz umgesetzt sowie erneuerbare Energien zunehmend fremdbezogen und in wachsendem Maße selbst erzeugt. Zudem ist der Einsatz von Neutralisierungstechnologien zur Abscheidung und Speicherung oder Nutzung von unvermeidbaren THG-Emissionen vorgesehen.
Der Übergangsplan adressiert darüber hinaus indirekte Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette – sowohl vorgelagert durch den Einsatz CO₂-reduzierter Rohstoffe und Vorprodukte, deren Gewinnung und Herstellung in der Regel mit geringeren verbrennungsbedingten Emissionen einhergeht, als auch nachgelagert durch Entwicklung und Vermarktung von im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen CO₂-reduzierten Produkten und von Technologien, die entweder emissionsarm sind oder Emissionsminderungen ermöglichen. Mit solchen Produkten und Technologien möchte thyssenkrupp seine Kunden dabei unterstützen, ihre THG-Emissionen zu mindern und Klimaziele zu erreichen. Der Übergangsplan erschließt dadurch auch Marktpotenziale, die sich aus der industriellen Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise ergeben.
Der Übergangsplan adressiert außerdem zentrale Übergangsrisiken – etwa energiepreisbedingte Kostensteigerungen durch CO₂-Bepreisung, strengere Emissionsvorgaben sowie steigende Nachhaltigkeitserwartungen von Stakeholdern durch die Dekarbonisierung von Energieversorgung, Produktion und Produktportfolio.
Zentrale Steuerungsmechanismen des Übergangsplans umfassen definierte Kennzahlen, kontinuierliches Monitoring durch die jährliche Treibhausgasbilanzierung sowie eine regelmäßige Fortschrittsbewertung im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Versicherungsbezogenes Risikomanagement
Das versicherungsbezogene Risikomanagement adressiert klimabedingte Anpassungsbedarfe durch die Absicherung physischer Risiken wie Sturm, Hitze oder Überflutung. Die Vermeidung bzw. Minderung potenzieller Auswirkungen ist hierbei das Ziel. Auch Übergangsrisiken wie etwa versorgungsseitige Engpässe infolge einer transformationsbedingten Nachfragesteigerung nach bestimmten Materialien und Produkten werden durch das Betriebskontinuitätsmanagement adressiert, das Teil dieses Konzepts ist.
Der Konzern verfolgt mit seinem versicherungsbezogenen Risikomanagement ein Konzept zur Absicherung bestimmter Unternehmensrisiken. Physische Klimarisiken stellen dabei einen zentralen Teilaspekt dar – mit dem Ziel, die Resilienz gegenüber den physischen Auswirkungen des Klimawandels gezielt zu stärken.
Ein Schwerpunkt liegt auf physischen Klimarisiken wie Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen, die zu Schäden an Produktionsanlagen und Infrastruktur führen oder Störungen in Lieferketten auslösen können. Um die finanziellen Folgen von Sachschäden und Betriebsunterbrechungen zu begrenzen, setzt thyssenkrupp auf risikoorientierte Versicherungslösungen. Risiken werden dazu systematisch identifiziert und bewertet, um darauf aufbauend geeignete Absicherungsmaßnahmen abzuleiten.
Im Hinblick auf bestimmte klimabezogene Übergangsrisiken – zum Beispiel durch versorgungsseitige Engpässe infolge transformationsbedingter Nachfragesteigerungen nach ausgewählten Materialien und Produkten – setzt thyssenkrupp auf systematisches Betriebskontinuitätsmanagement, um seine operative Resilienz zu stärken. Zentrale Maßnahmen sind die frühzeitige Identifikation kritischer Abhängigkeiten sowie die Entwicklung von Notfall- und Wiederanlaufplänen.
Regelmäßig durchgeführte Risikoanalysen sowie die Überprüfung bestehender Versicherungskonzepte im Hinblick auf Schadensszenarien, Eintrittswahrscheinlichkeiten und Präventionspotenziale dienen der systematischen Identifikation, Bewertung und Überwachung klimabedingter Schadensrisiken.
E1-3 – Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit den Klimakonzepten
Die Umsetzung des Übergangsplans für den Klimaschutz bildet den zentralen Handlungsrahmen zur Erreichung der konzernweiten Netto-Null-Emissionen bis spätestens 2050. Er umfasst konkrete Maßnahmen zur Dekarbonisierung von Energieversorgung, Produktion und Produktportfolio. Flankiert wird der Übergangsplan durch Konzepte zur Steuerung bestimmter klimabezogener Risiken.
Ein Schwerpunkt für die Dekarbonisierung des Konzerns liegt im Bau und Betrieb einer vollständig wasserstofffähigen DR-Anlage. In der Übergangsphase kann der Anlagenbetrieb zunächst mit Erdgas erfolgen, bevor eine Umstellung auf erneuerbaren Wasserstoff vorgenommen wird. Ergänzend verfolgt thyssenkrupp fortlaufende Maßnahmen ohne einen festgelegten Abschlusszeitpunkt, darunter die schrittweise Ablösung fossiler Energieträger, den Einsatz erneuerbarer Energien, Effizienzsteigerungen in Energie- und Produktionsprozessen sowie die Entwicklung und Vermarktung von im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen CO₂-reduzierten Produkten und von Technologien, die entweder emissionsarm sind oder Emissionsminderungen ermöglichen – darunter Werkstoffe, Systemlösungen für die Wasserstoffwirtschaft und Technologien zur Dekarbonisierung energieintensiver Produktionsprozesse. Darüber hinaus können Technologien zur Abscheidung sowie Speicherung oder Nutzung unvermeidbarer THG-Emissionen eingesetzt werden. Weitere Maßnahmen zur langfristigen Dekarbonisierung nach 2030 werden künftig geplant und konkretisiert.
Die oben dargelegten Maßnahmen adressieren emissionsrelevante Aktivitäten in verschiedenen Produktionsbereichen des Konzerns und umfassen sowohl Scope 1 und Scope 2 Emissionen im eigenen Betrieb als auch relevante Scope 3 Emissionen. Der Bau und Betrieb der wasserstofffähigen DR-Anlage bei Steel Europe ist auf einen europäischen Standort ausgerichtet. Die weiteren Dekarbonisierungshebel werden grundsätzlich konzernweit und weltweit umgesetzt.
Die Umsetzung der Dekarbonisierungshebel des Übergangsplans erfordert Investitions- und Betriebsausgaben. Nachfolgend sind die im Berichtsjahr angefallenen Ausgaben ausgewiesen, ergänzt um eine Einschätzung der erwartbaren zukünftigen Investitions- und Betriebsausgaben.
Im Berichtsjahr konnten durch Einsatz von erneuerbaren Energien und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen insgesamt Reduktionen von mehr als 150 kt CO2 erzielt werden. Bis zum Geschäftsjahr 2029 / 2030 werden weitere Reduktionen von insgesamt rund 2,8 Mio t CO2e erwartet. Der wesentliche Effekt wird aus der Umstellung verschiedener Prozessschritte in der Stahlproduktion resultieren. Zusätzlich werden CO2-Reduktionen insbesondere durch Volumenanpassung in der Stahlproduktion erwartet. Im Berichtsjahr beliefen sich die Betriebsausgaben (OpEx) für die Umsetzung des Übergangsplans auf ca. 8 Mio €, die Investitionsausgaben (CapEx) auf rund 104 Mio €. Den Hauptanteil an den Investitionsausgaben hatte dabei der fortschreitende Bau der wasserstofffähigen DR-Anlage am Standort Duisburg, mit CapEx in Höhe von knapp 90 Mio €. Für die weitere Umsetzung sämtlicher Dekarbonisierungsmaßnahmen des Übergangsplans sind über den Zeitraum der Geschäftsjahre 2025 / 2026 bis 2029 / 2030 kumuliert finanzielle Mittel in Höhe von rund einer Mrd € vorgesehen.
Die Finanzierung der Ausgaben erfolgt derzeit über Eigenmittel und öffentliche Förderprogramme; perspektivisch kann der Einsatz nachhaltiger Finanzierungsinstrumente von Bedeutung sein. Für die Investitionen in die wasserstofffähige DR-Anlage wurde ein CapEx-Plan gemäß EU-Taxonomie erstellt, der im relevanten Kapitel berichtet wird.
Die Umsetzbarkeit der Dekarbonisierungshebel hängt teilweise von externen Faktoren wie regulatorischen Vorgaben, der Verfügbarkeit erneuerbaren Wasserstoffs oder dem Zugang zu Fördermitteln ab. Demzufolge kann bei veränderten Rahmenbedingungen eine adaptive Steuerung der Maßnahmen erforderlich sein.