Strategie
ESRS 2 SBM-3 – Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell
Im Folgenden werden die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Klimawandel erläutert, die im Rahmen der durchgeführten Wesentlichkeitsanalyse identifiziert wurden und für die Geschäftstätigkeit sowie das Geschäftsmodell von thyssenkrupp von Bedeutung sind.
1) A = Auswirkung; (-) = negativ; (+) = positiv; R = Risiko; C = Chance
2) WSK = Wertschöpfungskette; V = Vorgelagert; EG = Eigener Geschäftsbereich; N = Nachgelagert
3) ZH = Zeithorizont; K = Kurz-; M = Mittel-; L = Langfristig
Resilienzanalyse Strategie und Geschäftsmodell in Bezug auf den Klimawandel
Im Berichtsjahr 2024 / 2025 hat das Unternehmen eine Szenarioanalyse durchgeführt, um wesentliche klimabezogene Risiken und Chancen systematisch zu identifizieren sowie potenzielle Auswirkungen auf Strategie und Geschäftsmodell zu bewerten. Die Bewertung integriert die Ergebnisse der doppelten Wesentlichkeitsanalyse und orientiert sich an den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), indem sie deren Vorgehensweise für die Berücksichtigung von Governance, Strategie, Risikomanagement sowie von Kennzahlen und Zielen anwendet und transitorische wie physische Risiken in verschiedenen Zeithorizonten analysiert.
Transitorische Klimarisiken und -chancen
Grundlage der transitorischen Risiko- und Chancenanalyse war ein unternehmensspezifisch entwickeltes kombiniertes Szenario. Es basiert auf dem Net Zero Emissions by 2050 Scenario (NZE) der International Energy Agency (IEA, 2021) als führendem Referenzpfad und wurde durch Inhalte des EU-Referenzszenarios 1.5TECH für technologische Aspekte sowie Erkenntnisse aus dem IPCC-Szenario SSP1-1.9 (AR6) ergänzt, um die Limitationen des führenden IEA-Szenarios zu adressieren, besonders dessen globale Aggregationsebene, den Fokus auf Transition statt physischer Klimarisiken und die stark normativen Annahmen ohne Eintrittswahrscheinlichkeiten. Das geordnete Übergangsszenario zielt darauf ab, die globale Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen sowie die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2050 auf null zu reduzieren – durch ambitionierte Klimapolitik, technologische Innovation sowie tiefgreifende Transformationsprozesse. Das führende Szenario steht mit den von der Science Based Targets initiative (SBTi) bewerteten THG-Reduktionszielen von thyssenkrupp im Einklang und eignet sich wegen des geordneten Dekarbonisierungspfads mittels technologischer Innovation zur Identifikation von wesentlichen Übergangsrisiken und -chancen im Rahmen der grünen Transformation. Obwohl die IEA im Jahr 2023 eine aktualisierte Net-Zero-Roadmap veröffentlicht hat, wird das NZE-Szenario von 2021 in Wissenschaft und Praxis weiterhin als ein international anerkannter und methodisch konsistenter 1,5 °C-kompatibler Referenzpfad verwendet und entspricht damit dem aktuellen Stand der Klimawissenschaft („state of the art“). Überdies sind die zentralen Annahmen und Entwicklungspfade dieses Szenarios mit den klimabezogenen Annahmen vereinbar, die im Konzern ausgewählten Investitionsrechnungen und der Bewertung klimabezogener finanzieller Risiken zugrunde liegen. Insbesondere die im Szenario angenommene, durch regulatorische Rahmenbedingungen getriebene Erhöhung der externen CO₂-Bepreisung über den Betrachtungszeitraum spiegelt sich im in finanziellen Bewertungen verwendeten CO₂-Schattenpreis (siehe Abschnitt „E1-8“) wider.
Die Analyse betrachtete zwei Zeithorizonte: 2030 als mittelfristigen Horizont, in dem die Zwischenziele zur Emissionsreduktion im Einklang mit dem 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens abgebildet werden, und 2050 als langfristigen Horizont, der die globalen Netto-Null-Ambitionen widerspiegelt. Der Analysefokus lag auf dem Zeithorizont 2030, der mit den Zwischenzielen von thyssenkrupp auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen übereinstimmt. Für den langfristigen Horizont bis 2050 ist die Analyse mit höheren Unsicherheiten behaftet. Eine belastbare Quantifizierung klimabezogener Risiken und Chancen ist auf Basis der zum Berichtszeitpunkt verfügbaren Informationen nur bedingt möglich. Daher wurden die Aussagen auf ein übergeordnetes Niveau begrenzt. Zudem unterliegt die Aussagekraft Unsicherheiten in Bezug auf gesellschaftliche Entwicklungen, technologische Pfade und die Kundenbereitschaft zu finalen Investitionsentscheidungen (FID) sowie in Bezug auf weitere externe Einflussfaktoren.
Entlang der Wertschöpfungskette wurden potenzielle klimabezogene Übergangsereignisse von Bedeutung identifiziert. Dazu zählen politische, wirtschaftliche und technologische Veränderungen, die Auswirkungen auf Geschäftsaktivitäten, Märkte und Lieferketten haben können. Die Übergangsereignisse wurden hinsichtlich Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungsgrad qualitativ bewertet. An der Erhebung und Einschätzung haben leitende Nachhaltigkeitsexperten auf Segmentebene mitgewirkt. Die Ergebnisse wurden auf Konzernebene aggregiert und dort final bewertet und priorisiert.
Die Analyse identifizierte wesentliche Transitionsrisiken in mehreren Bereichen: Zum Beispiel regulatorische Risiken im Zusammenhang mit der CO₂-Bepreisung etwa durch das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) sowie infrastrukturelle und wirtschaftliche Risiken in Bezug auf den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft. Des Weiteren wurden nachfrageseitige Unsicherheiten als wesentliche Transitionsrisiken in Bezug auf die Marktakzeptanz identifiziert – insbesondere hinsichtlich der Zahlungsbereitschaft für CO₂-reduzierte Produkte im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen, die durch einen zunehmenden Wettbewerbsdruck eingeschränkt werden kann. Darüber hinaus wurden Risiken identifiziert, die in nachgelagerten Wertschöpfungsstufen entstehen können – insbesondere durch eine mögliche Investitionszurückhaltung auf Kundenseite mit entsprechenden Auswirkungen auf die Marktchancen von thyssenkrupp sowie durch das Risiko, dass Neutralisierungstechnologien zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung oder -Nutzung nicht als Option zur Reduzierung von THG-Emissionen anerkannt werden. Überdies stellt die Versorgungssicherheit mit kritischen Vorprodukten und Materialien ein Übergangsrisiko dar.
Gleichzeitig wurden wesentliche klimabezogene Chancen identifiziert, die sich aus der industriellen Transformation hin zu einer dekarbonisierten Wirtschaftsweise ergeben: thyssenkrupp kann sich als ein Lösungsanbieter für CO₂-ärmere industrielle Wertschöpfungsketten positionieren – mit Erzeugnissen und Technologien, die gegenüber konventionellen Alternativen eine emissionsreduzierte Herstellung ermöglichen, etwa CO₂-armer Stahl, Elektrolyseure für erneuerbaren Wasserstoff, Verfahren für die Grundstoff- und Chemieindustrie und Systemkomponenten zur Erzeugung erneuerbarer Energien. In diesen Bereichen eröffnen sich für thyssenkrupp neue Umsatz- und Ertragspotenziale, die gleichzeitig den Markenwert stärken können und es ermöglichen, neue Kundengruppen zu erschließen sowie Beschäftigung zu sichern.
Physische Klimarisiken
Neben transitorischen Risiken wurden auch physische Klimarisken im Rahmen der Szenarioanalyse untersucht. Diese Bewertung umfasste sowohl akute als auch chronische Gefährdungstypen – darunter Überschwemmungen, Wasser- und Hitzestress, Stürme oder Küstenerosion gemäß den in der EU-Taxonomie ((EU) 2021 / 2139, Anhang A) sowie den ESRS E1 enthaltenen Klassifikationen für physische Klimarisiken. Die Analyse physischer Klimarisiken im Rahmen der Resilienzanalyse erstreckte sich auf operative Standorte des Unternehmens; ohne Einbeziehung der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Die Analyse wurde nach einer strukturierten Vier-Schritte-Methodik durchgeführt, die sich an den Anforderungen der EU-Taxonomie und den ESRS-2-Vorgaben zu IRO-1 orientiert. Grundlage waren hochauflösende Klimaprojektionen des CMIP6-Modellsatzes auf Basis verschiedener Emissions- und Entwicklungspfade, darunter RCP2.6, RCP4.5, RCP6.0 und das besonders emissionsintensive Szenario SSP5-8.5 /RCP8.5, kombiniert mit geospezifischen Risikodaten. Diese umfassen räumlich aufgelöste, standortbezogene Informationen zur Wahrscheinlichkeit, Intensität und zur Entwicklung klimatischer Gefahren im Zeitverlauf, basierend auf lokal projizierten Klimaszenarien und regionalen Risikomodellen. Betrachtet wurde ein Zeithorizont bis 2055. Im ersten Schritt wurden standort- und tätigkeitsbezogene Vulnerabilitäten auf Basis strukturierter Indikatoren bewertet, etwa hinsichtlich baulicher Ausstattung, kritischer Infrastrukturen sowie der branchenspezifischen Einordnung einer wirtschaftlichen Tätigkeit; bei Datenlücken wurde konservativ ein mittlerer bis hoher Wert angenommen, um Risiken nicht zu unterschätzen. Im zweiten Schritt erfolgte die Bewertung klimabezogener Gefährdungen auf Grundlage der genannten Klimaprojektionen, wobei sowohl akute Risiken wie Überschwemmungen, Hitzewellen oder Stürme als auch chronische Risiken wie langfristiger Temperaturanstieg, Wasserstress oder Bodendegradation nach Eintrittswahrscheinlichkeit, Intensität sowie zeitlicher Entwicklung beurteilt wurden. Im dritten Schritt wurden die Ergebnisse zu Vulnerabilität und Gefährdung über eine standardisierte Bewertungsformel zu einem standortspezifischen Klimarisikoindikator verrechnet, der auf einer Skala von 0 bis 1 normiert ist, in sechs Risikostufen von „kein“ bis „sehr hoch“ klassifiziert wird und jeweils das höchste identifizierte Risiko je Standort widerspiegelt. Im vierten Schritt wurden für Standorte mit einem hohem oder sehr hohem Risiko spezifische Anpassungsempfehlungen abgeleitet, die sich an der Art der Gefährdung sowie der lokalen wirtschaftlichen Tätigkeit orientieren und naturbasierte Lösungen sowie grüne Infrastrukturen priorisieren.
Durch diese Analyse wurden 57 Standorte mit mindestens einem erhöhten physischen Klimarisiko identifiziert, davon ein Standort mit sehr hohem Risiko. Von physischen Klimarisiken betroffen waren insbesondere Standorte in:
Küstenregionen mit hohem Risiko durch Überschwemmung und Küstenerosion
Mittel-, Süd- und Südwesteuropa mit erhöhtem Risiko durch Wasserstress
Mitteleuropa mit erhöhtem Risiko durch Dürre
Weltweit verteilte Standorte mit erhöhtem Risiko durch Flussüberschwemmungen
Für die betroffenen Standorte wurden im Rahmen der Analyse spezifische Anpassungsempfehlungen erarbeitet. Diese orientieren sich zum einen an der Art des identifizierten Risikos und zum anderen an der jeweiligen Wirtschaftstätigkeit. Die Anpassungsempfehlungen umfassen zum Beispiel:
Maßnahmen zum Überflutungsschutz (z. B. lokale Barrieren, Entwässerungssysteme)
Strategien zur Kühlung und Hitzeminderung bei Gebäuden
Wasserbezogene Anpassungen in wasserstressgefährdeten Regionen
Standortbewertungen zur mittelfristigen Anpassungsfähigkeit (z. B. Modernisierung)
Die konkrete Notwendigkeit zur Umsetzung solcher Anpassungsempfehlungen ist jedoch im Rahmen weiterführender Prüfungen und Validierungen standortspezifisch zu bewerten.
Für die Analyse physischer Klimarisiken wurde ein Zeithorizont bis 2055 angewendet, der mit den in der transitorischen Risiko- und Chancenanalyse verwendeten Zeithorizonte 2030 und 2050 sowie mit den auf diese Jahre ausgerichteten THG-Reduktionszielen gemäß Abschnitt „E1-4“ kompatibel ist.
Die Methodik zur Analyse physischer Klimarisiken weist Einschränkungen auf. Die verwendeten CMIP6-Klimamodelle (RCP2.6–RCP8.5) liefern zwar hochaufgelöste Projektionen, bilden regionale und lokale Kontextfaktoren allerdings nur begrenzt ab. Standortbezogene Vulnerabilitäten werden anhand standardisierter Indikatoren bewertet, bei Datenlücken aber konservativ angenommen, was die Genauigkeit einschränken kann. Die Analyse ist eine Momentaufnahme, berücksichtigt bislang weder dynamische Entwicklungen künftiger Szenarien noch finanzielle Auswirkungen und umfasst ausschließlich eigene operative Standorte, nicht jedoch vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen.
Resilienz von Strategie und Geschäftsmodell
Ziel der Szenarioanalyse war es, die Widerstandsfähigkeit der Konzernstrategie der grünen Transformation im Umgang mit klimabezogenen Risiken sowie ihre Fähigkeit zur Chancenwahrnehmung zu bewerten. Die Analyse zeigte, dass die Strategie insgesamt tragfähig ist, zugleich jedoch die wirtschaftliche Verfügbarkeit von erneuerbarem Wasserstoff und die Entwicklung der Absatzmärkte für im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen CO₂-reduzierte Produkte sowie für Technologien, die entweder emissionsarm sind oder Emissionsminderungen ermöglichen, als kritische Erfolgsfaktoren für ihre Umsetzung gelten.
thyssenkrupp verfolgt das Ziel, bis spätestens 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, und orientiert sich hierbei am 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Der Übergangsplan für den Klimaschutz ist als zentrales Element in die Konzernstrategie eingebettet und dient als Instrument zur Umsetzung dieser Zielsetzung. Zu den zentralen Maßnahmen gehören der Aufbau einer wasserstofffähigen Stahlproduktion, die Entwicklung und Vermarktung von im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen CO₂-reduzierten Produkten und von Technologien, die entweder emissionsarm sind oder Emissionsminderungen ermöglichen, sowie Kooperationen mit Lieferanten für die Dekarbonisierung der Lieferketten. Diese Maßnahmen sollen die Resilienz des Geschäftsmodells stärken.
Physische Klimarisiken werden bei thyssenkrupp zudem im Rahmen des versicherungsbezogenen Risikomanagements adressiert, das neben Risikotransfermechanismen auch Maßnahmen zur Risikovermeidung und -begrenzung umfasst. Strukturierte Absicherung und Vorsorge dienen dabei der Erhöhung der organisatorischen sowie finanziellen Resilienz. Weiterführende Informationen zum versicherungsbezogenem Risikomanagement sind im Abschnitt „E1-2“ zu finden.
E1-1 – Übergangsplan für den Klimaschutz
Der Übergangsplan für den Klimaschutz ist das Hauptinstrument zur Umsetzung der Klimastrategie von thyssenkrupp. Er bildet den operativen Handlungsrahmen für eine schrittweise Dekarbonisierung des Unternehmens entlang seiner Wertschöpfungskette und umfasst ambitionierte THG-Reduktionsziele. Im Folgenden werden Ziele, Maßnahmen, Fortschritte und die finanzielle Unterlegung des Übergangsplans dargestellt.
Kompatibilität mit dem 1,5 °C-Ziel des Pariser Abkommens
Der Übergangsplan für den Klimaschutz steht im Einklang mit dem Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu limitieren, wie im Pariser Klimaschutzabkommen vorgesehen. Die Grundlage hierfür ist die angestrebte Erreichung konzernweiter Netto-Null-Emissionen bis spätestens 2050 sowie die Festlegung wissenschaftsbasierter Zwischen- und Langfristziele. Die im Rahmen des Übergangsplans gesetzten THG-Emissionsreduktionsziele in den Scopes 1, 2 und 3 wurden durch SBTi analysiert und entsprechen hinsichtlich Zeitpunkten und Ambitionsniveau den im aktuellen „Corporate Net-Zero Standard“ festgelegten Anforderungen. Das Zielsystem des Übergangsplans wurde im Juni des Berichtsjahrs 2024 / 2025 durch SBTi als konform mit dem 1,5 °C-Pfad bewertet. Weiterführende Informationen zu den THG-Reduktionszielen finden sich in den Abschnitten „E1-4“ und „E1-6“.
Dekarbonisierungshebel und zentrale Maßnahmen
Der Haupthebel zur THG-Emissionsreduktion im eigenen Geschäftsbereich ist die Transformation der Stahlproduktion, insbesondere durch den Bau und Betrieb einer vollständig wasserstofffähigen DR-Anlage. Zudem zählen Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Prozesseffizienz, zur Umstellung des Fremdenergiebezugs auf erneuerbare Quellen sowie zur Eigenerzeugung erneuerbarer Energie zu den zentralen Dekarbonisierungshebeln für den eigenen Geschäftsbereich. Anpassungen des Produktionsvolumens – insbesondere im Stahlbereich – wirken sich zudem auf die direkten THG-Emissionen des Konzerns aus, stellen jedoch keinen aktiven Dekarbonisierungshebel dar.
Der Haupthebel zur Minderung vorgelagerter indirekter THG-Emissionen liegt im gezielten Einkauf von im Vergleich zu konventionellen Erzeugnissen CO₂-reduzierten Rohstoffen, Materialien und Vorprodukten. Für nachgelagerte indirekte THG-Emissionen liegt der Haupthebel in der technologischen Weiterentwicklung des Produktportfolios, insbesondere im Anlagenbau. Das Ziel ist, Technologien bereitzustellen, die entweder emissionsarm sind oder Emissionsminderung ermöglichen und dadurch eine im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren CO₂-reduzierte oder CO₂-freie Herstellung in den jeweiligen Anwendungsfeldern bei Kunden ermöglichen.
Investitionen, Aufwendungen und Finanzierung des Übergangsplans
Die Umsetzung des Übergangsplans für den Klimaschutz ist eng mit der Finanzplanung des Unternehmens verknüpft. Einen Teil der notwendigen Investitions- und Betriebsausgaben wird aus Eigenmitteln finanziert, darunter Maßnahmen zur Energie- und Prozesseffizienz oder zur Umstellung des Fremdenergiebezugs auf erneuerbare Quellen. Des Weiteren werden Teile der Umsetzung des Übergangsplans durch Zuwendungen der öffentlichen Hand gefördert, insbesondere der Bau der vollständig wasserstofffähigen DR-Anlage in Duisburg, für die bereits seit dem Geschäftsjahr 2022 / 2023 Förderzusagen des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen vorliegen.
Für eine konsistente Erfassung und Berichterstattung, erfolgt die monetäre Bewertung der Maßnahmen zur Umsetzung des Übergangsplans auf Basis der CapEx- und OpEx-Definitionen der EU-Taxonomie. Zusammenfassend ergeben sich folgende Angaben:
Im Berichtsjahr beliefen sich die Betriebsausgaben (OpEx) für die Umsetzung des Übergangsplans auf rund 8 Mio €, die Investitionsausgaben (CapEx) auf rund 104 Mio €. Den Hauptanteil an den Investitionsausgaben hatte dabei der fortschreitende Bau der wasserstofffähigen DR-Anlage am Standort Duisburg, mit CapEx in Höhe von ca. 90 Mio €. Die mit der Umstellung diverser Produktionsschritte zur CO2-armen Stahlherstellung verbundenen Investitionsausgaben werden überdies im Rahmen eines CapEx-Plans gemäß EU-Taxonomie berichtet. Ziel des CapEx-Plans ist, thyssenkrupp eine CO2-arme Stahlherstellung nach den in der Delegierten Verordnung (EU) 2021 / 2139 festgelegten Kriterien zu ermöglichen. Für die weitere Umsetzung sämtlicher Dekarbonisierungsmaßnahmen des Übergangsplans sind über den Zeitraum der Geschäftsjahre 2025 / 2026 bis 2029 / 2030 kumuliert finanzielle Mittel in Höhe von rund einer Mrd € vorgesehen.
Locked-in-Risiken und emissionsintensive Vermögenswerte
thyssenkrupp analysiert zentrale Vermögenswerte – insbesondere Anlagen, die damit verbundenen Betriebsprozesse und das Produktspektrum – in Bezug auf bestehende und zukünftig zu erwartende Treibhausgasemissionen über deren geplante Laufzeit bzw. übliche Nutzungsdauer (sog. „Locked-in Emissionen“). Im Fokus stehen die kohlenstoffbasierte Stahlerzeugung des Unternehmens sowie die Nutzung der verkauften verfahrenstechnischen Anlagen des Segments Decarbon Technologies in der nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Da die Stahlerzeugung der wesentliche Emissionstreiber innerhalb der eigenen Geschäftstätigkeit und der Anlagenbau der zentrale Emissionstreiber der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette ist, setzt der Übergangsplan für diese emissionsintensiven Kernbereiche Schwerpunkte der Emissionsminderung. Daher werden diese Emissions-Hot-Spots sowohl in der Risikoanalyse als auch in der Resilienzanalyse berücksichtigt. Die Zeithorizonte der Analyse entsprechen der im Abschnitt „ESRS 2 SBM-3“ dargelegten Bewertung und erstrecken sich vom Berichtsjahr bis 2030 bzw. 2050.
Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Dekarbonisierungshebel des Übergangsplans – insbesondere der Aufbau einer wasserstofffähigen Stahlherstellung sowie die Anpassung des Produktportfolios hin zu CO₂-reduzierten Produkten und Technologien, die entweder emissionsarm sind oder Emissionsminderungen ermöglichen – auf eine Senkung der THG-Emissionen abzielen und die Grundlage für die Erreichung der mittelfristigen THG-Reduktionsziele sowie von langfristig angestrebten Netto-Null-Emissionen bis 2050 schaffen können. Weiterführende Informationen sind in den Abschnitten „ESRS 2 SBM-3“, „E1-4“ und „E1-6“ dieses Kapitels zu finden.
Paris-aligned Benchmarks
thyssenkrupp ist nicht von den sogenannten Paris-aligned Benchmarks ausgeschlossen, da der Anteil der relevanten Umsatzerlöse an den Gesamtumsatzerlösen – wie in den Ausschlusskriterien in Artikel 12 Absätze 1 Buchstaben d bis g sowie Absatz 2 der Delegierten Verordnung (EU) 2020 / 1818 festgelegt – unter den erforderlichen Grenzwerten liegt.
Integration in Geschäftsstrategie und Zustimmung der Leitungsorgane
Der Übergangsplan ist ein integraler Bestandteil der Konzernstrategie von thyssenkrupp, die auf ein profitables sowie nachhaltiges Wachstum abzielt. Entsprechend ist die grüne Transformation – neben Portfolio und Performance – einer der drei zentralen strategischen Handlungsstränge. Die Verankerung des Übergangsplans zeigt sich insbesondere in der Ausrichtung von Geschäftsmodellen auf Dekarbonisierung. Ein Beispiel ist das Segment Decarbon Technologies, das Schlüsseltechnologien für eine emissionsarme Industrieproduktion bündelt, darunter Technologien zur Herstellung erneuerbaren Wasserstoffs und für eine im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren CO₂-reduzierte Zementherstellung sowie Konzepte für eine CO2-reduzierte Grundstoff- und Chemieindustrie. Diese strategische Ausrichtung ermöglicht es dem Konzern, indirekte THG-Emissionen in der nachgelagerten Wertschöpfungskette zu reduzieren und gleichzeitig die Marktpotenziale der industriellen Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zu erschließen.
Die formale Zustimmung zum Übergangsplan durch den Vorstand erfolgte im Berichtsjahr 2024 / 2025. Der Aufsichtsrat hat daraufhin im Berichtsjahr 2024 / 2025 neue klimabezogene Ziele in die Langfristvergütung des Vorstands und der Führungskräfte basierend auf dem Übergangsplan integriert.
Umsetzungsfortschritt des Übergangsplans
Einen wichtigen Fortschritt bei der Umsetzung des Übergangsplans stellt die Festlegung mittel- und langfristiger THG-Reduktionsziele dar, einschließlich des Ziels, konzernweit bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die Zielsetzung wurde im Geschäftsjahr 2023 / 2024 durch eine offizielle Verpflichtungserklärung des Vorstands der thyssenkrupp AG gegenüber SBTi formalisiert.
Weitere Fortschritte wurden beim Bau der DR-Anlage in Duisburg erzielt – dem wesentlichen Dekarbonisierungshebel für THG-Emissionen im eigenen Geschäftsbereich. Nach Freigabe des Eigenmittelanteils für diese Investition durch den Konzernvorstand und Aufsichtsrat von thyssenkrupp im Geschäftsjahr 2021 / 2022 wurden die Rückbauarbeiten und Baufeldvorbereitungen abgeschlossen; erste Bauarbeiten für die DR-Anlage laufen bereits seit dem Geschäftsjahr 2023 / 2024. Weiterführende Informationen zum Baufortschritt der DR-Anlage sind im Wirtschaftsbericht zu finden.
Fortschritt wurde auch in Bezug auf den Dekarbonisierungshebel Energieeffizienz erzielt. Schon seit dem Geschäftsjahr 2012 / 2013 betreibt thyssenkrupp konzernweit ein Energieeffizienzprogramm (Groupwide Energy Efficiency Program; GEEP), über dessen Fortschritte jährlich berichtet wird. Im Geschäftsjahr 2024 / 2025 konnten mit Effizienzmaßnahmen Einsparungen von 162 GWh erzielt werden, dies entspricht einer Emissionsminderung von 75 kt CO2e.
Außerdem konnte der Anteil des eingesetzten Stroms aus erneuerbaren Quellen gesteigert werden. Im Berichtsjahr 2024 / 2025 wurden 621 GWh erneuerbaren Stroms bezogen, was zu einer Reduktion von 77 kt CO2e gegenüber dem Vorjahr führte. Zusätzlich wurde selbst erzeugte Energie aus regenerativen Quellen in Höhe von 27 GWh eingesetzt, wodurch weitere THG-Emissionen in Höhe von 6 kt CO2e eingespart werden konnten.