Kennzahlen und Ziele
In diesem Bereich
E1-4 – Ziele im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel
Die THG-Reduktionsziele von thyssenkrupp sind Bestandteil der konzernweiten Dekarbonisierungsstrategie und werden im Verbund von SBTi als im Einklang mit dem 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens bewertet. Die Zielsystematik folgt der SBTi-Methodik unter Anwendung eines sektorübergreifenden und sektorspezifischen Dekarbonisierungspfades (Sectoral Decarbonization Approach – SDA). Die Methodik stützt sich auf wissenschaftlich fundierte Klimaszenarien des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) und auf internationale und europäische Referenzrahmen zum Beispiel das Pariser Klimaabkommen und den EU Green Deal. Bei der Zielformulierung wurden auch die Interessen von Stakeholdern berücksichtigt – insbesondere gesetzliche Vorgaben und Anforderungen des Kapitalmarkts.
Zielarten und Geltungsbereiche
Aufgrund der vielfältigen Geschäftsaktivitäten verfolgt thyssenkrupp ein kombiniertes Zielsystem mit sowohl absoluten als auch relativen THG-Reduktionszielen, jeweils bezogen auf das Basisjahr 2018.
Absolute mittelfristige THG-Reduktionsziele – konzernweit außerhalb SDA Iron & Steel:
Scope 1 und 2 in t CO2e: Reduktion um 50,4 % bis 2030
Scope 3 in t CO2e: Reduktion um 30 % bis 2030
Relatives mittelfristiges THG-Reduktionsziel – in den Grenzen des SDA Iron & Steel:
Scope 1 bis 3 in t CO2e pro t Stahl-Warmband: Reduktion um 30,1 % bis 2030
Absolute langfristige THG-Reduktionsziele – konzernweit:
Scope 1 und 2 in t CO2e: Reduktion um 90 % bis 2050
Scope 3 in t CO2e: Reduktion um 90 % bis 2050
Das übergeordnete Ziel ist das Erreichen konzernweiter Netto-Null-Emissionen nach SBTi Net Zero Standard bis 2050. Die THG-Reduktionsziele wurden im Berichtsjahr 2024 / 2025 von SBTi bewertet. Hierbei wurden die Zwischen- und Langfristziele für Scope 1 und 2 (2030 bzw. 2050) für im Einklang mit dem 1,5 °C-Pfad befunden. Dies gilt auch für die THG-Emissionen die unter den SDA Iron & Steel fallen. Dies gilt nicht für die Scope 3 Ziele in separater Betrachtung. Das relative THG-Reduktionsziel in den Grenzen des SDA Iron & Steel wird nach einer von SBTi festgelegten Methodik bewertet und umfasst definierte Schritte der Stahlproduktion. Im Basisjahr liegen ca. 90 % der gesamten Scope 1 und 2 und ca. 1 % der Scope 3 Emissionen innerhalb der Grenzen des SDA Iron & Steel. Die hierunter fallenden Emissionen sind Bestandteil der übergeordneten Emissionsberichterstattung und sind in den in der Tabelle im Abschnitt „E1-6“ und in der Abbildung im Abschnitt „E1-1“ dargestellten Basis-, Ist- und Zielwerten für das gesamte Unternehmen enthalten.
Zielannahmen
Der Entwicklung der THG-Reduktionsziele liegen diverse Annahmen zugrunde. Dazu gehören erwartete Veränderungen bei Absatzmengen und Marktbedingungen, technologischer Fortschritt wie der Hochlauf wasserstoffbasierter Direktreduktion, regulatorische Entwicklungen – etwa im Rahmen des EU-Emissionshandels und des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) – sowie sich wandelnde Kundenanforderungen hinsichtlich CO2-armer Produkte und Prozesse. Diese Faktoren beeinflussen die Entwicklung der THG-Emissionen und die Umsetzbarkeit der Reduktionspfade. Weiterführende Informationen zu diesen Annahmen sind im Abschnitt „ESRS 2 SBM-3“ dieses Kapitels zu finden.
Darüber hinaus wird beim THG-Reduktionsziel innerhalb des SDA Iron & Steel eine nahezu gleichbleibende Steel-Scrap-Ratio angenommen. Diese gibt vor, dass Reduktionspfade von Stahlherstellern abhängig vom Verhältnis von Schrott- zu Primärmaterialeinsatz berechnet werden. Der Schrotteinsatz (Scrap Ratio) bestimmt, in welchem Maße die Emissionsintensität eines Unternehmens an den Pfad für primär- bzw. sekundärbasierte Stahlproduktion angelehnt wird. Diese Faktoren beeinflussen die Entwicklung der THG-Emissionen und die Umsetzbarkeit der Reduktionspfade.
Maßnahmen zur Zielerreichung
Zur Erreichung der THG-Reduktionsziele nutzt thyssenkrupp mehrere strategische Dekarbonisierungshebel. Dazu gehören insbesondere der Technologiewechsel in der Stahlproduktion, die Anpassung des Produktportfolios, der erhöhte Einsatz erneuerbarer Energien sowohl durch Bezug als auch durch Eigenerzeugung sowie Effizienzsteigerungen in Energie- und Produktionsprozessen. Neutralisierungstechnologien zur Abscheidung und Speicherung oder Nutzung unvermeidbarer THG-Emissionen können langfristig eine ergänzende Maßnahme darstellen. Weiterführende Informationen dazu finden sich im Abschnitt „E1-3“.
Fortschrittsmessung und Steuerung
Das Monitoring der THG-Reduktionsziele erfolgt im Rahmen der jährlichen Treibhausgasbilanzierung. Die Erhebung der relevanten Daten ist über ein zentrales ESG-Reporting-System organisiert, das regelmäßiger interner Prüfung unterliegt. Ergebnisse und Fortschritte werden im Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.
E1-5 – Energieverbrauch und Energiemix
Der Energieverbrauch stellt für thyssenkrupp ein zentrales Handlungsfeld der Transformation hin zur dekarbonisierten Wirtschaftsweise dar. Nachfolgend wird der Gesamtenergieverbrauch des Unternehmens sowie die Zusammensetzung des Energiemixes offengelegt. Die Angaben unterscheiden zwischen nicht-erneuerbaren, erneuerbaren und nuklearen Quellen und beziehen sowohl selbst erzeugte als auch eingekaufte Energiearten ein.
1) Berechnung anhand länderspezifischer Anteile nuklearer Energie aus dem Jahr 2020 bewertet mit dem Gesamtenergieverbrauch des Geschäftsjahres 2024 / 2025
Energieintensität auf der Grundlage der Umsatzerlöse
Die Ermittlung der Energieintensität je Umsatzerlös basiert auf den konsolidierten Energieverbräuchen im Verhältnis zum Konzernumsatz (MWh / €). Berücksichtigt bei der Berechnung der Kennzahl wurden alle Geschäftsaktivitäten von thyssenkrupp, da diesen die für diesen Zusammenhang relevanten NACE-Sektionen zugeordnet wurden und in diesem Kontext als relevant gelten. Die Energieintensität je Umsatzerlös belief sich im Berichtsjahr auf 0,001954748 MWh / €.
Für die Berechnung der Energieintensität wurden die Umsatzerlöse gemäß der Gewinn- und Verlustrechnung des veröffentlichten Konzernabschlusses herangezogen.
E1-6 – THG-Bruttoemissionen der Kategorien Scope 1, 2 und 3 sowie THG-Gesamtemissionen
Die Ermittlung der berichteten THG-Emissionen erfolgt auf Basis der Definitionen und Methodik des Regelwerks „The GHG Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard“ sowie der dort referenzierten Standards zur Berechnung von THG Emissionen aus eigenen Prozessen und der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Die nachfolgende Berichterstattung dieser THG-Emissionen erfolgt nach den Vorgaben der CSRD bzw. des ESRS E1.
Der Bilanzierungskreis entspricht dem der Finanzberichterstattung. Berücksichtigt werden hierbei die vollkonsolidierten Konzerngesellschaften. Für die HKM findet bei Scope 1 sowie Scope 2 Emissionen eine quotale Einbeziehung gemäß Anteilsbesitz in Höhe von 50 % statt. Liefermengen, die diesen Anteilsbesitz übersteigen, werden als erworbene Güter hingegen Scope 3 zugeordnet.
Zur Ermittlung der Scope 1 sowie Scope 2 Emissionen werden an allen relevanten Standorten die Energieverbräuche nach Energieträgern erhoben und unter Verwendung geeigneter Emissionsfaktoren berechnet. Die Faktoren stammen einerseits aus der kostenpflichtigen Datenbank Sphera. Zum anderen werden für die Einsatzmengen von Kohle und Koks individuell aus Stoffstromanalysen ermittelte Emissionsfaktoren eingesetzt. Die Emissionen der Treibhausgase Methan (CH4), Distickstoffmonoxid (N2O), teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), Schwefelhexafluorid (SF6) und Stickstofftrifluorid (NF3) wurden im Rahmen einer Analyse ermittelt, als für die Berichterstattung nicht wesentlich eingestuft und werden daher nicht ausgewiesen. Zudem ist zu beachten, dass sich für einen Teil der Scope 1 Emissionen die Berechnungsmethodik in Hinblick auf eingesetzte Kohle- und Koksmengen zwischen Basisjahr und Berichtsjahr geändert hat. Dies führt zu einer unwesentlichen Abweichung in den Angaben.
Scope 2 Emissionen werden sowohl standortbasiert als auch marktbasiert berichtet. Bei der standortbasierten Ermittlung werden die durchschnittlichen, länderspezifischen aktuellen Emissionsfaktoren der IEA verwendet, bei der marktbasierten Ermittlung werden die in den unterschiedlichen eingesetzten vertraglichen Instrumenten genannten Emissionsfaktoren verwendet. Falls kein marktbasierter Emissionsfaktor für einen Energieanteil vorliegt, wird im Einklang mit dem GHG Protocol Scope 2 Guidance der standortbasierte Emissionsfaktor für diesen Anteil verwendet.
Scope 3 Emissionen der unterschiedlichen Kategorien in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette werden in Einklang mit dem GHG Protocol „Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard“ basierend auf aktivitäts- und ausgabenbasierten Daten ermittelt. Grundsätzlich erfolgt dabei die Verwendung geeigneter Emissionsfaktoren aus einschlägigen öffentlich verfügbaren Quellen, beispielsweise von internationalen Verbänden sowie aus kostenpflichtigen Datenbanken. Bei entsprechender Verfügbarkeit, werden lieferanten- sowie kundenspezifische Daten für die Berechnung verwendet. Ausgabenbasierte Emissionsfaktoren werden inflationsbereinigt. Für Unsicherheiten, die mit der Bestimmung der Scope 3 Emissionen einhergehen, siehe Abschnitt „BP-2“. Die wesentlichen und daher zu berichtenden Scope 3 Kategorien wurden gemäß den im GHG Protocol genannten Kriterien ermittelt. Für die relevanten Kategorien werden nachstehend die zugrundeliegenden Annahmen und Berechnungsmethodik dargestellt. Aktuell werden Scope 3 Treibhausgasemissionen nur geringfügig anhand von Inputs aus bestimmten Tätigkeiten der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette berechnet. Der Primärdatenanteil liegt insgesamt unter 1 %.
Scope 3, Kategorie 1 „Erworbene Waren und Dienstleistungen“
Indirekte THG-Emissionen aus eingekauften Waren und Dienstleistungen, die nach dem GHG Protocol der Kategorie 1 zugeordnet sind, beinhalten auch die in den verwendeten Emissionsfaktoren von Sphera und von Branchenverbänden wie der World Steel Association abgebildeten Vorkettenemissionen. Für Waren, insbesondere Materialien, erfolgt die Emissionsberechnung prinzipiell gewichtsbasiert. Liegen keine Gewichtsangaben vor, wird ein Durchschnittsverfahren angewendet. Für Waren, bei denen ein gewichtsbasierter Ansatz nicht sinnvoll ist oder für eingekaufte Dienstleistungen erfolgt die Berechnung ausgabenbasiert unter Verwendung geeigneter Emissionsfaktoren. Liefern Zulieferer produktspezifische Daten, fließen diese bevorzugt in die Emissionsberechnung ein. Bei fehlenden Informationen über die Art der erworbenen Waren oder Dienstleistungen wird für eine möglichst vollständige Erfassung eine Extrapolation anhand von Einkaufswerten nach der Durchschnittsmethode umgesetzt.
Scope 3, Kategorie 3 „Tätigkeiten im Zusammenhang mit Brennstoffen und Energie“
Die in der vorgelagerten Wertschöpfungskette durch die Förderung, Erzeugung und den Transport entstehenden THG-Emissionen der gesamten Energie- und Brennstoffbezüge des Unternehmens – die zugleich den berechneten Scope 1 und Scope 2 Emissionen zugrunde liegen – werden mithilfe geeigneter Emissionsfaktoren aus Sphera ermittelt und offengelegt.
Scope 3, Kategorie 4 „Vorgelagerter Transport und Vertrieb“
Finanzielle Aufwendungen für Transportleistungen werden nach Transportarten gegliedert und die daraus resultierenden THG-Emissionen auf Basis ausgabenbasierter Emissionsfaktoren mithilfe des Berechnungstools „Scope 3 Evaluator“ des GHG Protocol berechnet, die jährlich inflationsbereinigt werden. Fehlende Werte werden zu einem geringen Teil mittels Durchschnittsmethode extrapoliert.
Scope 3, Kategorie 5 „Abfallaufkommen in Betrieben“
Die indirekten THG-Emissionen aus dem Abfallaufkommen werden mithilfe der im Rahmen der Umweltdatenerhebung ermittelten Abfallmengen berechnet, und zwar differenziert nach gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen, die entsorgt oder recycelt werden. Hierbei werden Emissionsfaktoren aus Sphera verwendet, die verschiedene Abfallbehandlungsmethoden zugrunde legen, z.B. Deponierung und Verbrennung bei der Entsorgung.
Scope 3, Kategorie 6 „Geschäftsreisen“
Bei den indirekten THG-Emissionen aus Geschäftsreisen entfallen die meisten THG-Emissionen auf Flugreisen. Für die Berechnung werden im Wesentlichen von den Airlines über einen Dienstleister bereitgestellte Primärdaten verwendet. Emissionen aus der Nutzung anderer Verkehrsmittel sowie aus Hotelübernachtungen werden ergänzend nach einem Durchschnittsverfahren ermittelt und in die Gesamtemissionen dieser Kategorie einbezogen.
Scope 3, Kategorie 10 „Verarbeitung verkaufter Produkte“
Für verkaufte Produkte der verschiedenen Geschäftsaktivitäten von thyssenkrupp werden die typischen Verarbeitungsschritte bis zum Einsatz im Endprodukt betrachtet und in Bezug auf die dabei entstehenden THG-Emissionen bewertet. Bei Werkstoffen, Komponenten und Halbzeugen erfolgt eine Differenzierung nach den weiteren Stufen der Handelsketten und der zusätzlichen Bearbeitung. Erfolgt üblicherweise lediglich eine Montage, gelten die dabei entstehenden Emissionen als nicht wesentlich und werden nicht berichtet. In Einklang mit dem GHG Protocol Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard, Sektion 6.4, gilt dies ebenso für Fälle, in denen aufgrund der Vielzahl potenzieller Verarbeitungsschritte und Endanwendungen keine ausreichenden Informationen vorliegen und somit keine belastbaren Annahmen möglich sind. Erfolgt jedoch eine maschinelle, energieintensive Bearbeitung von intermediären Produkten, werden typische Energieverbräuche unter Berücksichtigung der gelieferten Produktmengen sowie lokaler Emissionsfaktoren der IEA für den Energiebezug zur Bestimmung der THG-Emissionen herangezogen. Bei der Lieferung immaterieller Produkte, wie etwa von Konstruktionsdienstleistungen im Anlagenbau, erfolgen auftragsspezifische Berechnungen auf Grundlage der eingesetzten Materialmengen für die Errichtung der jeweiligen Anlagen.
Scope 3, Kategorie 11 „Verwendung verkaufter Produkte“
Für verkaufte Produkte der unterschiedlichen Geschäftsaktivitäten werden die typischen Nutzungsarten durch Kunden betrachtet und nach entsprechender Gruppierung im Hinblick auf die dabei entstehenden THG-Emissionen bewertet. Zunächst wird unterschieden, ob durch die Nutzung des Produkts direkte oder indirekte Emissionen entstehen. Direkte Emissionen aus der Produktnutzung – etwa beim Betrieb einer gelieferten Anlage oder eines innermotorischen Bauteils – werden ermittelt und berichtet. Bei gelieferten Produkten des Anlagenbaus führen insbesondere die unterschiedlichen erwarteten langen Nutzungsdauern einzelner Anlagentypen zu hohen Scope-3-Emissionen. Der Übergabezeitpunkt der Anlage an den Kunden legt die Zuordnung der Scope-3-Emissionen zum jeweiligen Geschäftsjahr fest, daher kann dies zu erheblichen Schwankungen zwischen den Berichtsjahren führen. Zur Berechnung der THG-Emissionen der Anlagen werden auftragsspezifische Annahmen etwa in Bezug auf die Nutzungsdauer und den Energieverbrauch sowie mögliche Prozessemissionen getroffen. Diese werden anschließend mit einschlägigen Emissionsfaktoren, u.a. der IEA, oder, sofern verfügbar, auch mit projekt- und kundenspezifischen Emissionsfaktoren bewertet. Eine von den anderen gelieferten Produkten des Anlagenbaus und vom dargestellten Basiswert in einem Punkt abweichende Bewertung der Emissionen dieser Kategorie erfolgt für die verkauften Elektrolyseanlagen. Um Emissionen, die über die gesamte Nutzungsphase dieser Anlagen durch den Bezug elektrischer Energie entstehen, realitätsnäher bewerten zu können, wird von einer fortlaufenden Dekarbonisierung des Strommixes in den Ländern der Anlagenstandorte in Anlehnung an das Stated Policies Scenario (STEPS) der IEA ausgegangen. Es handelt sich hierbei um ein anerkanntes Szenario, welches jedoch naturgemäß Limitierungen im Falle veränderlicher Randbedingungen unterliegen kann. Diese Anpassung der Methodik führt zu einer Reduktion der dargestellten Emissionen um etwa 50 Mio t CO₂e über die Laufzeit der im Berichtsjahr verkauften Elektrolyseanlagen.
Weitere direkte und in dieser Kategorie berichtete Emissionen resultieren aus der energetischen Nutzung gehandelter und von thyssenkrupp gelieferter Produkte wie Kohle, Kokskohle und Hüttengase durch Kunden. Aufgrund von vertraglichen Bestimmungen, die den Schutz sensibler Informationen im Zusammenhang mit Verteidigungsprojekten regeln, werden Emissionen aus der Nutzung von Produkten des Segments Marine Systems nicht ermittelt. Indirekt entstehende Emissionen aus der Nutzung gehandelter und gelieferter Produkte – beispielsweise Werkstoffe oder Komponenten – werden in dieser Kategorie nicht berichtet.
Ausschluss unwesentlicher Scope 3 Kategorien
Einige Scope 3 Kategorien wurden von der Berichterstattung ausgeschlossen, weil entweder keine oder nur geringfüge THG-Emissionen ermittelt wurden. Hierzu zählen die nachfolgenden Scope 3 Kategorien:
Kategorie 2 (Anlagegüter)
Kategorie 7 (Arbeitswege der Beschäftigten)
Kategorie 8 (Vorgelagerte vermietete Vermögenswerte)
Kategorie 9 (Nachgelagerter Transport und Distribution)
Kategorie 12 (Behandlung am Lebensende verkaufter Produkte)
Kategorie 13 (Nachgelagerte vermietete Vermögenswerte)
Kategorie 14 (Franchise-Unternehmen)
Kategorie 15 (Investitionen)
In Summe stehen diese Scope 3 Kategorien für lediglich ca. 0,2 % der THG-Emissionen insgesamt.
1) Biogene Scope-1-THG-Bruttoemissionen in Höhe von 6 kt CO2e sind nicht enthalten. Für die Ermittlung der Scope-2- und Scope-3-Treibhausgasemissionen lagen keine Daten für biogene Emissionen vor.
2) Beim Anteil der Scope-1-THG-Bruttoemissionen aus regulierten Emissionshandelssystemen beziehen sich die verifizierten EU-ETS Emissionen jeweils auf das Kalenderjahr und die gesamten Scope-1-THG-Bruttoemissionen jeweils auf das Geschäftsjahr von thyssenkrupp. Die Überdeckung im Basisjahr beträgt neun und im Berichtsjahr aufgrund der Verfügbarkeit der Daten drei Monate.
3) Die Zielwerte beziehen sich auf die konsolidierten absoluten (außerhalb SDA Iron & Steel) und relativen (SDA Iron & Steel) THG-Reduktionsziele.
Vertragliche Instrumente bei der Ermittlung der marktbezogenen Scope 2 THG-Emissionen
Von den vertraglichen Instrumenten, die zur marktbasierten Ermittlung der Scope 2 Emissionen in diesem Berichtsjahr einbezogen wurden, entfielen 2 % auf langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements, PPA) und 11,6 % auf Ökoenergietarife. Darüber hinaus wurden 4 % über Herkunftsnachweise (Guarantees of Origin, GO) und Zertifikate für erneuerbare Energien (Renewable Energy Certificates, REC) abgedeckt. Zusätzlich entfiel ein Anteil von 72 % auf weitere Strom-, Dampf- und Wärmelieferungen mit bekannten Emissionsfaktoren. Die Prozentangaben beziehen sich jeweils auf die durch das jeweilige Instrument abgesicherte Energiemenge im Verhältnis zu der gesamten eingekauften und selbstgenutzten Strom-, Dampf- und Wärmemenge.
Treibhausgasintensität auf der Grundlage der Umsatzerlöse
Die Treibhausgasintensität definiert das Verhältnis der gesamten THG-Emissionen zu den Umsatzerlösen in t CO₂e / €. Diese wird sowohl standort- als auch marktbezogen berichtet. Die standortbezogene Treibhausgasintensität belief sich im Berichtsjahr auf 0,006299083 t CO₂e / €, die marktbezogene Treibhausgasintensität auf 0,006303086 t CO₂e / €.
Für die Berechnung wurden die Umsatzerlöse gemäß Gewinn- und Verlustrechnung des veröffentlichten Konzernabschlusses herangezogen.
E1-8 – Interne CO2-Bepreisung
In Geschäftsbereichen, die dem Europäischen Emissionshandelssystem (EU-ETS) unterliegen, wendet thyssenkrupp einen internen CO₂-Preis zur wirtschaftlichen Bewertung von Investitionsvorhaben an. Dieser CO2-Schattenpreis dient der systematischen Berücksichtigung zukünftiger CO₂-Kostenrisiken in langfristigen Kapitalallokationsentscheidungen – insbesondere bei Infrastruktur- und Anlagenerneuerungen.
Der angenommene CO₂-Preis bewegt sich in einem Korridor zwischen dem aktuellen Marktpreis und rund 150 € / t CO₂ bis 2035 sowie rund 250 € / t CO₂ bis 2045. Damit orientiert sich thyssenkrupp an marktüblichen Annahmen führender Szenarien-Modelle und regulatorischer Entwicklungen auf EU-Ebene – wie etwa Fit for 55, CBAM oder ETS II – speziell hinsichtlich erwarteter CO₂-Preisentwicklungen, Emissionsreduktionspfaden, sektoraler Dekarbonisierungsziele sowie Anpassungen im grenzüberschreitenden Handel mit CO₂-intensiven Produkten.
Ein zentrales Anwendungsbeispiel ist die Investition in eine wasserstofffähige DR-Anlage mit Einschmelzer bei Steel Europe am Standort Duisburg. Diese wird perspektivisch die koksgestützte Hochofenroute ersetzen und durch den Einsatz von Erdgas bzw. Wasserstoff bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr einsparen. Der interne CO₂-Preis wurde als zentraler Steuerungsparameter in die Wirtschaftlichkeitsrechnung dieser Investition einbezogen.
Im Berichtszeitraum deckte der CO2-Schattenpreis einen möglichen Anwendungsbereich von ca. 16 Mio t CO2e Scope-1-THG-Bruttoemissionen ab. Dies entspricht einem Anteil von 82 % der gesamten Scope 1-THG-Bruttoemissionen.