Strategie
In diesem Bereich
SBM-1 – Strategie, Geschäftsmodell und Wertschöpfungskette
Die thyssenkrupp Unternehmen in den fünf Segmenten bieten ein breites Spektrum von Produkten und Dienstleistungen an.
Das Segment Automotive Technology ist Serienlieferant von Fahrwerks- und Antriebskomponenten sowie Montage- und Logistikpartner für die globale Automobilindustrie. Wesentliche weitere Produkte für diese Kundengruppe sind geschmiedete Komponenten, Karosserieleichtbauteile, Federn und Stabilisatoren, Anlagen für den Karosseriebau sowie für Antriebs- und Batteriemontagen. Darüber hinaus bietet Automotive Technology Systemlösungen für den Ressourcen-, Bau- und Mobilitätssektor an.
Das Segment Decarbon Technologies bietet umfangreiche Lösungen des Anlagenbaus für weite Bereiche der Chemie- und Zementindustrie. Diese umfasst neben der Lieferung schlüsselfertiger Anlagen auch Planungs-, Engineering- und Wartungsdienstleistungen. Insbesondere ist thyssenkrupp nucera Anbieter von Technologie für Elektrolyse-Anlagen, darunter auch solche für die Herstellung von grünem Wasserstoff im industriellen Maßstab. Weitere wesentliche Produkte sind Großwälzlager, Wälzlager und nahtlos gewalzte Ringe für Hersteller von Windenergieanlagen sowie für weitere Industrieanwendungen.
Das Segment Materials Services bietet unterschiedlichen Kundengruppen, u.a. der Automobil- und der Luftfahrtindustrie, die Lieferung von Rohstoffen und nahezu aller Arten von Werkstoffen sowie maßgeschneiderte Supply-Chain-Lösungen und werkstoffbezogene Dienstleistungen wie Anarbeitung. Das Angebot umfasst zunehmend auch datengetriebene digitale Services für nachhaltige Lieferketten.
Das Segment Steel Europe bietet ein breites Spektrum von Qualitätsflachstahlprodukten mit Eigenschaften, die auf die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche abzielen. Beliefert wird eine Vielzahl von Kundengruppen aus der Industrie, die wichtigste ist die Automobilindustrie.
Im Segment Marine Systems sind Unter- und Überwasserschiffe sowie Systeme im Bereich maritimer Elektronik und Sicherheitstechnologie die wichtigsten Produkte. Die primäre Kundengruppe ist die öffentliche Hand im Bereich der Verteidigung.
Detaillierte Informationen zu den Segmenten finden sich auch im Kapitel „Grundlagen des Konzerns“ des Lageberichts.
Eine Übersicht unserer Mitarbeiter nach Regionen ist im Kapitel „ESRS S1 Eigene Belegschaft“ zu finden.
Fossile Brennstoffe
thyssenkrupp ist im geringem Umfang im Bereich der fossilen Brennstoffe tätig und erzielt im Segment Materials Services Einnahmen aus dem Handel mit fossilen Brennstoffen, im Wesentlichen Kohle und Koks, die jedoch nicht den Schwerpunkt der Handelstätigkeit des Segments darstellen. Der Umsatz mit fossilen Brennstoffen betrug rund 180 Mio € und damit weniger als 1 % des Gesamtumsatzes des Konzerns.
Darin enthalten sind Umsätze aus rohölbasierten Produkten mit weniger als 1 Mio €.
Im Berichtsjahr wurden keine Umsatzerlöse aus taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten im Zusammenhang mit fossilem Gas erzielt.
Nachhaltigkeitsbezogene Ziele
Auch in einem veränderlichen und herausfordernden Umfeld ist es unser zentrales Ziel, thyssenkrupp zu einem leistungsfähigen und nachhaltigen Unternehmen zu machen. Neben einer wirtschaftlich nachhaltigen Positionierung im Wettbewerb spielen der Umwelt- und Klimaschutz sowie soziale Aspekte eine wichtige Rolle. Die Berücksichtigung unterschiedlicher Stakeholderinteressen hat bei thyssenkrupp eine hohe Bedeutung. Die Anforderungen in Bezug auf wichtige Nachhaltigkeitsthemen werden kontinuierlich und mit Blick auf die Anforderungen unserer Stakeholdergruppen über unterschiedliche Prozesse ermittelt und daraus entsprechende Ziele und Maßnahmen zur Verbesserung unserer Nachhaltigkeits-Performance abgeleitet.
Unsere Klimaziele – Ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensstrategie ist die grüne Transformation. Sie umfasst sowohl unsere eigenen Prozesse als auch die gesamte Wertschöpfungskette; weiterführende Informationen zur grünen Transformation finden Sie im Kapitel „Grundlagen des Konzerns“, Abschnitt „Ziele & Strategie“ im Lagebericht. Dies wird besonders bei unseren Klimazielen deutlich: SBTi (Science Based Targets initiative) hat unser System aus mittelfristigen Klimazielen (2030) als konform mit dem 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens bewertet. Unser Zielsystem umfasst sowohl Emissionen unserer eigenen Prozesse (Scope 1 und Scope 2) als auch der vor- und nachgelagerten Aktivitäten (Scope 3). Unser Ziel ist, dass thyssenkrupp weltweit bis spätestens 2050 Netto-Null Emissionen erreicht, in Deutschland bereits bis 2045. Weiterführende Informationen zu den THG-Reduktionszielen finden Sie im Kapitel „ESRS E1 Klimawandel“ im Abschnitt E1-4.
In den Bereichen Klima, Energie und Umwelt, Technologie und Innovationen, Mitarbeiter und Einkauf haben wir nichtfinanzielle Ziele (Non-Financial Targets – NFT) in Abstimmung mit den Segmenten festgelegt, die die Zielerreichung verantworten und gemeinsam mit den Geschäften die Umsetzung vorantreiben.
Energie – Energieeffizienz spielt bei thyssenkrupp eine wichtige Rolle. Bereits seit zehn Jahren läuft unser weltweites Energieeffizienzprogramm GEEP (Groupwide Energy Efficiency Program), das Maßnahmen wie Prozessoptimierungen, die bessere Nutzung von Abwärme sowie die Erneuerung von Anlagenkomponenten und Beleuchtungssystemen umfasst. Wir streben als wichtigen Hebel zur Erreichung unserer Klimaziele jährliche Energieeffizienzgewinne an.
CO2 Emissionen – Zur Abbildung unserer Klimaziele treiben wir die Reduzierung der CO2-Emissionsintensität des Konzerns, die sich aus der Summe unserer direkten Emissionen (Scope 1) und der Emissionen aus Energiebezug (Scope 2) bezogen auf den Umsatz berechnet (ohne das Segment Steel Europe), voran. Für das Segment Steel Europe wurde entsprechend ein Zielwert für die Menge bilanziell CO2-reduzierten Stahls formuliert. Diese bestimmt sich durch den reduzierten Kohlenstoffeinsatz am Standort Duisburg und dadurch realisierte CO2-Einsparungen, die einer Produktionsmenge zugeordnet werden.
Technologie und Innovationen – Im Zuge der Umsetzung unserer Innovationsstrategie treiben wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) voran. Unser Ziel lautet hier, eine bereinigte FuE-Quote von 3,0 % im Konzern zu erreichen. Sie bezeichnet den Anteil der Aufwendungen für FuE am Umsatz ohne das Segment Materials Services.
Mitarbeiter – Arbeitssicherheit und Gesundheit sind bei thyssenkrupp von jeher bedeutsame Themen. Im Interesse der fortlaufenden Verbesserung der Arbeitssicherheit behält thyssenkrupp die Entwicklung des Unfallsgeschehens im Blick und strebt eine stetige Reduktion der Unfallhäufigkeitsrate an.
Wir setzen uns außerdem für die Chancengleichheit aller Mitarbeiter und Nichtdiskriminierung ein. Deshalb haben wir ein Ziel bezüglich Frauen in Führungspositionen implementiert. Das Ziel wird im Rahmen der jeweiligen geltenden lokalen Gesetzgebung angewendet. Weiterführende Informationen zu diesem sowie dem vorgenannten Ziel finden Sie im Kapitel „ESRS S1 Eigene Belegschaft“.
Als Indikator für die Mitarbeiterzufriedenheit verwenden wir den employee Net Promoter Score (eNPS). Hier streben wir eine kontinuierliche Verbesserung an. Der thyssenkrupp eNPS ist Teil unserer jährlichen Mitarbeiterbefragung, des „Employee Pulse Checks“; er gibt Auskunft über die Bereitschaft, thyssenkrupp als Arbeitgeber weiterzuempfehlen.
Wertschöpfungskette – Über die Kennzahl „HSR“ haben wir uns die jährliche Reduzierung des relativen Anteils der – auch nach eventuellen risikoreduzierenden Maßnahmen – weiterhin als risikobehaftet kategorisierten Lieferanten an der Grundgesamtheit der potenziell risikobehafteten Lieferanten zum Ziel gesetzt. Die Risikokategorisierung basiert auf der im Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) geforderten Risikoanalyse, die wir einmal jährlich sowie anlassbezogen durchführen. Damit möchten wir das Risiko für Verletzungen der im LkSG beschriebenen Rechtspositionen im Hinblick auf Umweltschutz, Menschenrechte und Arbeitssicherheit innerhalb unseres Lieferantenportfolios generell reduzieren. Außerdem gilt: Sollten bei der Risikoanalyse Risiken festgestellt werden, so sind diese durch unverzüglich zu ergreifende Maßnahmen im Einklang mit den Vorgaben des Gesetzes schnellstmöglich zu reduzieren. Weiterführende Informationen zur Durchführung unserer Risikoanalyse finden Sie im Kapitel „ESRS S2 Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette“.
Alle bestehenden Ziele werden im Interesse einer kontinuierlichen Verbesserung verfolgt und im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung stetig angepasst und erweitert. Seit dem Geschäftsjahr 2020 / 2021 werden die Nachhaltigkeitsaktivitäten über die NFTs schrittweise in der Langfristvergütung (LTI) des Vorstands und der Führungskräfte integriert. Weiterführende Informationen zum LTI finden Sie im Abschnitt „ESRS 2 GOV-3 Einbeziehung der nachhaltigkeitsbezogenen Leistung in Anreizsysteme“ dieses Kapitels.
Bei der Formulierung und Festlegung nachhaltigkeitsbezogener Ziele spielen Anforderungen seitens der wichtigsten Märkte, Kundengruppen, des Kapitalmarktes sowie weiterer Stakeholdergruppen eine wichtige Rolle.
Die Bewertung dieser Anforderungen fließt in die Ausrichtung unserer Geschäftsaktivitäten ein; sie findet in regelmäßigem Dialog mit den entsprechenden Stakeholdern statt. Außer in der jährlichen Hauptversammlung als Plattform für den Dialog sind Nachhaltigkeitsziele insbesondere Teil von Kunden- und Investorengesprächen und des Austauschs mit Ratingagenturen, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert haben. Unsere Nachhaltigkeitsziele im Bereich Klimaschutz lassen wir von der SBTi untersuchen und bewerten.
Die Teilnahme an Nachhaltigkeitsratings und die damit verbundene externe Bewertung unserer Nachhaltigkeitsziele und -leistungen sind für uns ein wichtiges Feedback-Instrument und unterstreichen die zielorientierte Umsetzung unserer Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeitselemente in der Strategie
Die Strategie von thyssenkrupp lässt sich über die drei wesentlichen Elemente: „Performance“, „Portfolio“ und „grüne Transformation“ beschreiben. Weiterführende Informationen dazu finden Sie im Kapitel „Grundlagen des Konzerns“, Abschnitt „Ziele & Strategie“ im Lagebericht.
Die „grüne Transformation“ wird primär beschrieben durch den Climate Transition Plan (siehe Abschnitt E1-1 im Kapitel „ESRS E1 Klimawandel“); dort ist sowohl die Transformation unserer eigenen Prozesse als auch die unserer vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette mit klar definierten Zielen und entsprechenden Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele definiert. Darüber hinaus entwickeln und liefern wir zahlreiche innovative Lösungen, die unsere Kunden dabei unterstützen, ihrerseits ressourcen- und klimaschonende Prozesse zu implementieren und nachhaltigere Produkte auf den Markt zu bringen.
Wertschöpfungskette
Mit einem breitgefächerten Angebot von Produkten und Lösungen wollen wir Mehrwert für unsere Kunden generieren und diese in die Lage versetzen, auch ihrerseits innovative und nachhaltigere Produkte zu erzeugen. Entlang der Wertschöpfungskette arbeiten wir dabei sowohl mit unseren Lieferanten als auch mit unseren Entwicklungspartnern und Kunden zusammen.
Die folgende Grafik verdeutlicht die Merkmale der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette mit den wesentlichen Zulieferungen, den Kernelementen der verschiedenen Geschäftsaktivitäten von thyssenkrupp sowie den darauf folgenden Aktivitäten bei unseren Abnehmern und Kunden.
In der vorgelagerten Wertschöpfungskette beziehen wir Rohstoffe, insbesondere Eisenerz und Kohleprodukte, zur Herstellung eines breiten Spektrums hochwertiger Flachstahlprodukte. Darüber hinaus beziehen wir Rohstoffe und Werkstoffe aller Art (Stahl, Edelstahl, Aluminium, Kunststoffe und weitere) für den Handel und als Basis für umfangreiche Supply-Chain-Services. Um Produkte wie Fahrzeugkomponenten und Anlagen herzustellen, beziehen wir metallische und nichtmetallische Werkstoffe, Halbzeuge, Komponenten und Ausrüstungen.
Die Erfassung der eingekauften Waren und Dienstleistungen erfassen wir in den einzelnen Geschäftseinheiten über verschiedene Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP-Systeme). Diese Daten werden für das Berichtswesen und das Controlling zentral im thyssenkrupp Spend Data Warehouse zusammengefasst.
Wie in diesem Abschnitt dargestellt, bieten wir unseren Kunden ein breites Spektrum hochwertiger Werkstoffe sowie technischer Produkte, Lösungen und Dienstleistungen. Neben dem direkten Nutzen für unsere Kunden generieren wir hierdurch auch für unsere Investoren nachhaltig Wert. Darüber hinaus sind wir bestrebt, moderne und zukunftssichere Arbeitsplätze in allen Regionen und an allen unseren Standorten zu schaffen. Weiterführende Informationen zu den Interessen unserer Stakeholder finden Sie im folgenden Abschnitt.
SBM-2 – Interessen und Standpunkte der Stakeholder
Der kontinuierliche Austausch mit Stakeholder unterstützt uns in unserer verantwortungsvollen und zukunftsorientierten Unternehmensführung und ist ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie von thyssenkrupp. Wir pflegen einen offenen Dialog mit unseren Stakeholdern, um ihre Erwartungen und Anliegen sowie ihre Impulse, insbesondere zu ökologischen und sozialen Themen, in strategische und unternehmerische Entscheidungen einfließen zu lassen.
Um ein besseres Verständnis für die Erwartungen und Perspektiven unserer Stakeholder zu gewinnen und einen zielgerichteten Austausch zu fördern, erfassen wir deren Meinungsbild fortlaufend auf unterschiedlichen Ebenen und nutzen dafür vielfältige Kommunikationsformate – hier einige Beispiele:
Mitarbeiter – Seine Mitarbeiter als wichtigste interne Anspruchsgruppe informiert thyssenkrupp transparent über relevante Themen, beispielsweise in regelmäßigen Informationsveranstaltungen, über unser Intranet „WeNet“ und durch gezielte Schulungen. Über Mitarbeitergespräche, Pulse Checks und Dialogformate wie „klar:text“ fördern wir den kontinuierlichen aktiven Austausch und holen gezielt Feedback ein. Zudem bieten wir ihnen mit unserem Hinweisgebersystem die Möglichkeit, vertraulich eventuelle Missstände zu melden und so zur Integrität unseres Handelns beizutragen.
Kunden – Unsere Kunden haben klare Erwartungen an die Qualität, den Innovationsgrad und die Nachhaltigkeit unserer Produkte. Sie stehen im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir tauschen uns eng mit ihnen aus, insbesondere in persönlichen Gesprächen unserer Mitarbeiter im Vertrieb und Marketing.
Lieferanten und Geschäftspartner – Als Partner in der Wertschöpfungskette tragen unsere Lieferanten und Geschäftspartner Verantwortung für die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards. Durch regelmäßige Gespräche mit den für unsere Einkaufsprozesse verantwortlichen internen Fachbereichen sowie im Rahmen von Lieferantenaudits pflegen wir einen engen Austausch mit unseren Lieferanten und Geschäftspartnern. Verdachtsfälle im Hinblick auf menschenrechtsbezogene Verstöße bei unseren Lieferanten und Geschäftspartnern können über unser Hinweisgebersystem gemeldet werden. Unser Hinweisgebersystem steht allen thyssenkrupp Mitarbeitern sowie externen Stakeholdern und sonstigen Dritten offen.
Kapital- und Finanzmarktteilnehmer, Analysten und Ratingagenturen – Das wachsende Interesse unserer Investoren und Analysten an ESG-Kriterien und nachhaltiger Wertschöpfung spiegelt sich in unserem kontinuierlichen, transparenten Austausch mit diesen Stakeholdern wider. Dieser findet beispielsweise statt bei Kapitalmarktveranstaltungen, etwa Investorenkonferenzen, Roadshows, Capital Markets Days und während unserer Hauptversammlung sowie über Geschäfts- und Quartalsberichte. Darüber hinaus stellen wir Informationen auf unserer Website thyssenkrupp.com/de/investoren zur Verfügung. Durch die aktive Teilnahme an ESG-Ratings, die auch für Investoren und Analysten von Relevanz sind, unterstreichen wir unser Engagement für Transparenz und schaffen Orientierung für unsere Stakeholder.
Politische Entscheidungsträger, Gesetzgebung und Behörden – Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, Ministerien und Behörden, um relevante Entwicklungen frühzeitig berücksichtigen zu können und Transparenz über bei thyssenkrupp geplante Maßnahmen zu schaffen.
Gewerkschaften – Gewerkschaften sind für uns wichtige Partner im sozialen Dialog. Wir pflegen eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen und beziehen sie frühzeitig in relevante Entscheidungsprozesse ein. Der regelmäßige Austausch auf Betriebs- und Konzernebene unterstützt uns dabei, faire Arbeitsbedingungen zu sichern und gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln.
Nichtregierungsorganisationen, Verbände, Wissenschaft, Forschung und Bildung, Medien – Mit dieser Gruppe von Stakeholdern, die als Beobachter und Impulsgeber für nachhaltige Entwicklung sowie als Quelle für Innovation und Forschung fungieren, stehen wir in einem themenbezogenen Dialog. Wir pflegen Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Bildungsakteuren, beteiligen uns an Fachveranstaltungen und engagieren uns in Verbänden und Initiativen, um gesellschaftliche und technologische Entwicklungen gemeinsam voranzutreiben. Medien tragen dazu bei, Nachhaltigkeitsstrategien von Unternehmen transparent zu machen und kritisch zu hinterfragen – sie schaffen Öffentlichkeit und fördern den Diskurs.
Zivilgesellschaft und lokale Gemeinschaften, schutzbedürftige Gruppen – Gezielte oder anlassbezogene Dialoge ermöglichen einen offenen Austausch. Bei Investitionsvorhaben beispielsweise binden wir Stakeholder frühzeitig ein, klären die Interessenlagen und fördern die Transparenz. Darüber hinaus informieren wir sie über Pressemitteilungen und schaffen so Vertrauen und Teilhabe im Sinne unserer ESG-Verantwortung und unsere Governance-Grundsätze. Innerhalb verschiedener Gruppen von Stakeholdern können einige besonders schutzbedürftig sein. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn sie in der Fähigkeit, ihre Interessen und Bedürfnisse auszusprechen, eingeschränkt sind. Durch unser barrierefreies Hinweisgebersystem bieten wir auch diesen Stakeholdern die Möglichkeit, mit uns in Kontakt zu treten.
Die Natur – Wir betrachten die Natur als stillen, aber zentralen Stakeholder. Die Interessen der Natur werden durch Nichtregierungsorganisationen, lokale Gemeinschaften, den Gesetzgeber sowie Natur- und Umweltschutzorganisationen vertreten. Der Dialog mit diesen Akteuren hilft uns, ökologische Auswirkungen zu erkennen und verantwortungsvoll im Einklang mit den Interessen der Natur zu handeln.
In zentrale Prozessschritte unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse, wie die Identifikation und Bewertung von Auswirkungen, Risiken und Chancen haben wir relevante interne Vertreter von Stakeholdergruppen systematisch eingebunden. Weitere Einzelheiten zum Verfahren der Wesentlichkeitsbewertung finden Sie unter dem Abschnitt „IRO-1 Beschreibung des Verfahrens zur Ermittlung und Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen“ in diesem Kapitel.
Als relevante Stakeholder in Bezug auf die Wesentlichkeitsanalyse betrachten wir insbesondere jene Gruppen, die von den Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit oder unserer Geschäftsbeziehungen betroffen sein könnten. Die internen Vertreter dieser Gruppen stehen bei ihrer täglichen Arbeit in regelmäßigem Austausch mit internen und externen Stakeholdern und bringen deren Perspektiven in unsere Analyseprozesse ein. Auch über die doppelte Wesentlichkeitsanalyse hinaus findet ein strukturierter Dialog mit unseren Stakeholdern über die jeweils zuständigen Fachbereiche und Expertengruppen statt. Hierfür nutzen wir eine Vielzahl etablierter Kommunikationskanäle (siehe Aufzählung oben). Der offene und regelmäßige Austausch mit unseren lokalen, nationalen und globalen Stakeholdern ermöglicht es uns, unterschiedliche Erwartungen und Sichtweisen besser zu verstehen; er kann die Grundlage für ein gegenseitiges Verständnis und gesellschaftliche Akzeptanz unserer unternehmerischen Entscheidungen schaffen sowie zugleich wertvolle Impulse für die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie liefern. Um wesentliche Nachhaltigkeitsthemen zu identifizieren, analysieren wir fortlaufend die Erwartungen, Interessen und Anforderungen unserer Stakeholder. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in unsere doppelte Wesentlichkeitsanalyse, unsere Nachhaltigkeitsagenda, das Managementsystem für menschenrechtliche Sorgfaltspflichten sowie in unser konzernweites Chancen- und Risikomanagement ein.
Um neuen Rahmenbedingungen und relevanten Nachhaltigkeitsanforderungen gerecht zu werden, passen wir unsere Verfahren zur Einbindung von Stakeholdern nach Bedarf an. Im Geschäftsjahr 2024 / 2025 gab es auf Grundlage des Feedbacks unserer Stakeholder keine grundlegenden Änderungen an unserer Strategie oder unserem Geschäftsmodell.
Der Aufsichtsrat und der Vorstand wurde unter anderem über die Standpunkte und Interessen der betroffenen Stakeholder im Rahmen der Vorstellung unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse informiert. Nachhaltigkeitsbezogene Anliegen betroffener Stakeholder werden zudem an das für das jeweilige Ressort zuständige Vorstandsmitglied berichtet.
SBM-3 – Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell
Als internationales Unternehmen entwickelt thyssenkrupp Technologien und Lösungen für künftige Markt- und Kundenbedürfnisse. Im Geschäftsjahr 2024 / 2025 haben wir eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt, um sowohl die tatsächlichen als auch die potenziellen negativen und positiven Auswirkungen unserer Geschäftsaktivitäten auf Gesellschaft und Umwelt als auch die wirtschaftliche Relevanz von Nachhaltigkeitsthemen für thyssenkrupp zu identifizieren und zu bewerten.
Doppelte Wesentlichkeitsanalyse – Vorgehen und Ergebnisse
Unsere Wertschöpfungskette umfasst die weltweite Beschaffung von Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen, die Herstellung und den Handel mit Produkten sowie den Vertrieb unserer Produkte, Lösungen und Dienstleistungen. Deshalb ergeben sich wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen sowohl durch unsere eigenen Geschäftsaktivitäten als auch entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Die identifizierten wesentlichen Auswirkungen lassen sich überwiegend auf die Geschäftsstrategie und das Geschäftsmodell von thyssenkrupp zurückführen oder stehen in einem engen Zusammenhang mit ihnen. Bei der doppelten Wesentlichkeitsanalyse haben wir die identifizierten Auswirkungen, Risiken und Chancen systematisch bewertet. Die Bewertungen einschließlich einer tabellarischen Übersicht der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen sind jeweils den themenspezifischen Kapiteln zu entnehmen.
Wir analysieren kontinuierlich unsere Geschäftsaktivitäten im Hinblick auf ihre wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen. Dabei streben wir danach, negative Auswirkungen möglichst zu verringern, positive Entwicklungen zu fördern, Risiken zu reduzieren und Chancen zu nutzen. Wir achten darauf, wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen einschließlich ihrer aktuellen und potenziellen künftigen Relevanz in strategische Überlegungen einzubeziehen. In unsere Entscheidungsprozesse fließen auch mögliche Zusammenhänge mit unserem Geschäftsmodell und unserer Wertschöpfungskette ein. Die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen in Zusammenhang mit unserer eigenen Geschäftstätigkeit und mit den Tätigkeiten in unserer Wertschöpfungskette sowie dessen Einfluss auf unser Geschäftsmodell, die Wertschöpfungskette, unsere Strategie und Entscheidungsfindung werden in den jeweiligen themenspezifischen Kapiteln erläutert.
Im Geschäftsberichtsjahr 2024 / 2025 wurden keine über die von den ESRS vorgesehenen Nachhaltigkeitsthemen identifiziert. Wegen unseres umfassenden Portfolios innovativer Technologien, Produkte und Dienstleistungen gibt es weder in unserem Geschäftsmodell noch entlang der Wertschöpfungskette signifikante Konzentrationen potenziell negativer oder positiver Auswirkungen, Risiken und Chancen. Darüber hinaus haben sich im aktuellen Berichtjahr weder erhebliche aktuelle finanzielle Effekte der wesentlichen Risiken und Chancen auf unsere Finanz- und Ertragslage ergeben, noch haben die identifizierten Auswirkungen, Risiken und Chancen bzw. die ergriffenen oder geplanten Maßnahmen eine Änderung der Unternehmensstrategie oder des Geschäftsmodells zur Folge gehabt.
Weiterführende Informationen zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse finden sich in diesem Kapitel im Abschnitt „IRO- 1“.
Widerstandsfähigkeit von Strategie und Geschäftsmodell
Um die qualitative und quantitative Analyse der Widerstandsfähigkeit von Strategie und Geschäftsmodell in Bezug auf die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen zu unterstützen, identifiziert thyssenkrupp langfristige Risiken im Rahmen der doppelten Wesentlichkeitsanalyse zukünftig jährlich, bewertet diese qualitativ und quantitativ und lässt sie von ausgewählten Experten überprüfen.
In diese Bewertung fließen auch soziale und ökologische Risiken ein. Sie werden ganzheitlich analysiert und unter Berücksichtigung des Umfelds von thyssenkrupp bewertet. Risiken verstehen wir bei thyssenkrupp als eine mögliche negative Abweichung von Prognosen oder anderen Zielsetzungen aufgrund künftiger Ereignisse oder Entwicklungen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Risiken ist Teil der Corporate Governance von thyssenkrupp, da für eine zielgerichtete Unternehmensführung ein kontinuierliches und systematisches Management der unternehmerischen Risiken, aber auch der Chancen, von grundlegender Bedeutung ist. Weiterführende Informationen zu den wesentlichen Merkmalen unseres Risikomanagement- und internen Kontrollsystems finden Sie in dem Kapitel „Chancen- und Risikobericht“ im Lagebericht.
Die Widerstandsfähigkeit der Strategie und des Geschäftsmodells sowie die Fähigkeit des Unternehmens, aktuelle und künftige wesentliche Auswirkungen und Risiken zu bewältigen sowie identifizierte Chancen zu nutzen, werden fortlaufend überwacht. In die Bewertung fließen die in den Abschnitten „SBM-3 E1“ und „E4-1“ beschriebenen Klima- und Biodiversitätsanalysen mit ein. Veränderungen im Marktumfeld oder Veränderungen durch neue Risiken beobachten wir, sie werden bei Bedarf durch geeignete Maßnahmen adressiert.
Die Analyse der Widerstandsfähigkeit von Strategie und Geschäftsmodell berücksichtigt den Umstand, dass Nachhaltigkeit seit vielen Jahren ein integraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie ist und thyssenkrupp regelmäßig über seine Nachhaltigkeitsaktivitäten berichtet. Die Bewertung unserer mittel- und langfristigen Ziele durch unabhängige ESG-Ratingagenturen liefert nicht nur eine objektive Einschätzung, sondern dient auch als externe Referenz für unsere Nachhaltigkeitsleistung. Veränderungen und neue Anforderungen im Nachhaltigkeitskontext beobachten wir kontinuierlich. Wir reagieren auf Veränderungen mit einem strategischen und zugleich flexiblen Ansatz und beziehen die Erwartungen unserer Stakeholder mit ein. Im Rahmen unserer strategischen Ausrichtung setzen wir uns mit unserer Widerstandfähigkeit gegenüber externen Einflüssen auseinander und berücksichtigen dabei Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung. Die Bewertung und Integration von sozialen, ökologischen und strategischen Risiken sowie Chancen zeigt, dass thyssenkrupp über ein robustes und anpassungsfähiges Geschäftsmodell verfügt, das langfristig auf nachhaltige Entwicklung und Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Einflüssen ausgerichtet ist.